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TIPPS 5 - Was können Sie tun als Mitbetroffene/r? Und wenn das auch nichts hilft?
Sie haben sich selbst verändert. Es entsteht kein ständiger Ärger mehr, weil Sie dem/der Betroffenen Freiheit lassen. Dadurch
wird sich die Einstellung zueinander wandeln. Die Flasche, die die Geliebte und die Trösterin war, hat in Ihnen als verständnisvolles Wesen eine große Konkurrenz erhalten - was nicht bedeutet, dass Sie Verständnis für das Trinken haben sollen.
Wenn dieser Mensch nun weiter trinkt - wie wird also die Zukunft werden? Möchten Sie wirklich mit ansehen, wie sich der Mensch, um den Sie sich so große Sorgen machen, beschließt, sich mit Alkohol umzubringen? Natürlich nicht.
Wenn der bewusste Mensch Ihr Partner ist, haben Sie noch einen Trumpf im Ärmel.
Sehen Sie, es gibt in dieser Situation nur zwei Möglichkeiten: Entweder - dieser Mensch hört aus Liebe zu Ihnen auf mit dem Trinken. Das könnte er. Oder - die Liebe reicht nicht aus, um die Macht des Alkohols zu brechen. Das wäre bedauerlich, aber Sie kennen den Spruch: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Nicht wahr? Also: Beenden Sie die Beziehung. Ziehen Sie aus. Oder setzen Sie ihn/sie an die Luft. Sorgen Sie für eine Bleibe - evtl. auch in einem passenden Wohnheim. Aber setzen Sie die Koffer vor die Tür. Ihre oder seine. Sagen Sie es nicht nur - tun Sie es auch. Begründen Sie mit der Wahrheit: Sie können sich das nicht mehr länger ansehen und wollten so nicht leben.
Machen Sie ernst.
Jemand, der suchtkrank ist, sucht so lange ein Schlupfloch, durch dass er mitsamt der Flasche passt, wie es irgend möglich ist, ohne das Trinken aufzugeben. Wenn Sie seine Strategie nun auflösen, wenn Sie sich nicht mehr erpressen und unter Druck setzen lassen, wenn Sie liebevoll-konsequent sagen: "Ab jetzt mache ich das Spiel nicht mehr mit" - haben Sie alle Schlupflöcher verstopft. Kein Hintertürchen bleibt mehr. Es gibt auf einmal nur noch einen einzigen Ausweg, nicht einsam und heruntergekommen zu enden: Er MUSS aufhören zu trinken. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht mehr. Es bleibt nur: allein weitermachen oder sich aufmachen durch eine Tür zur Hoffnung, durch die zwar dieser Mensch, aber nicht mehr die Flasche hindurchpasst.
Wenn Sie darüber überglücklich sind: lassen Sie sich trotzdem Zeit damit, wieder zurückzukehren. Wenn Sie nur ein wenig zu früh wieder umkehren auf diesem Weg, besteht eine große Rückfallgefahr.
Sie haben gelernt, was liebevolle Konsequenz bedeutet und welche Wirkung sie hat. Bleiben Sie weiter liebevoll-konsequent.
Der Erfolg wird sein: Wenn dieser wirklich wertvolle Mensch wieder lernt in geordneten Bahnen zu denken, wird er nach und nach in der Therapie erkennen, wie wichtig Ihre Handlungsweise für Sie beide war. Ja, sogar, dass es keine andere Möglichkeit gab.
Vielleicht wird er/sie fragen, warum Sie nicht früher so konsequent waren - Sie hätten sich beide eine Menge Leid und Qualen ersparen können.
Aber das ist nun nicht mehr wichtig - von nun an wird es aufwärts gehen...
Ganz, ganz selten geht auch diese Rechnung nicht auf. Dann bleibt Ihnen nur die Möglichkeit, sich zu sagen, dass Sie wirklich, wirklich alles menschenmögliche getan haben. Und Sie müssen leider annehmen, dass die Liebe dieses Menschen zu Ihnen nicht so groß war, wie Sie gehofft haben. Denn es liegt in den Händen des/der Betroffenen, mit dem Trinken aufzuhören. Niemand sonst kann es tun.
Wenden Sie sich Ihrer eigenen Zukunft zu.
Wenn dieser Mensch ein Freund, ein Verwandter, ein Patient, ein Nachbar oder sogar Ihr Kind ist: Ich bin sicher - es ist Ihnen klar geworden, dass auch hier ein ähnliches Verhalten angebracht ist. Sie helfen nicht, in dem Sie hinnehmen und schweigen - Sie helfen durch konsequentes Durchführen einer ähnlichen Art der Ablösung von diesem Menschen. Wenn alle - der Partner, die Eltern, der Arzt, die Kollegen, die Nachbarn an einem Strang ziehen, nämlich zu vermitteln, dass jeder von ihnen sich Sorgen macht, dass jeder von Ihnen die Schwierigkeit versteht, die das "Aufhören" bereitet, aber dass jeder von Ihnen nicht länger bereit ist, sich dieses endlose Leiden mit anzusehen, sind wieder einmal alle Auswege, Hintertüren und Schlupflöcher zu. Es gibt nur eine Richtung - die Tür in die Freiheit - ohne Flasche. Unter Umständen ist es hilfreich, zueinander Kontakt aufzunehmen.
Je länger Sie zögern, desto länger leidet dieser Mensch.
Wenn Sie glauben, es nicht allein zu schaffen, dann wenden Sie sich an eine Beratungsstelle. Dort ist man auf Ihre Fragen vorbereitet. Auch dann, wenn Sie zum Beispiel nicht wissen, wohin Sie so schnell ziehen sollen. Oder wohin Ihr Partner ziehen könnte. Und wovon Sie leben sollen... Man wartet geradezu darauf, Ihnen endlich helfen zu können. Alle, die hier arbeiten, tun das, weil sie helfen wollen und weil jeder einzelne Mensch wichtig ist. Also - nehmen Sie das Angebot an. Für den Frankfurter Raum finden Sie Anlaufstellen zum Beispiel unter Noch ein Hinweis am Rande - ALLE unserer Gruppenmitglieder haben es letztlich SO geschafft - in Ihrem Fall klappt es auch! |
© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)
Stand: 25. Oktober 2008