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TIPPS 1 - Was können Sie tun als Mitbetroffene/r?

Sie wissen sicher selbst, dass hier eine schwere Erkrankung ausgebrochen ist. Dieser Mensch ist krank und so wie Sie wissen, dass man bei Masern rote Flecken bekommt, müssen Sie auch wissen, dass sich ein suchtkranker Mensch nicht mit Absicht verändert, um das Verhalten zu verstehen. Wenn Alkoholismus eine Virusinfektion wäre, könnte man manche Gegebenheiten leichter hinnehmen, man wüsste - das ist ein Bild der Krankheit - daran erkenne ich diese Krankheit.

Bekämpfen Sie den Alkohol nicht mehr. Suchen Sie keine Flaschen, diskutieren Sie nicht mehr, versuchen Sie, das Verhalten dieses Menschen einfach hinzunehmen. So wie die Flecke bei Masern gehört dieses Verhalten zur Krankheit. Denken Sie, der Alkohol sei ein Virus, der diesen Menschen befallen hat. "An diesem Verhalten erkenne ich diese Krankheit, aber ich muss mich nicht mehr über diesen Menschen aufregen. Er kann nichts dafür, dass er jetzt so sein muss."

Werden Sie sich klar darüber, ob Sie es ertragen wollen, diese Krankheit weiter fortschreiten zu sehen, oder ob Sie wirkungsvoll etwas für sich selbst und gleichzeitig gegen diese Krankheit tun wollen. Es ist wie beim Zahnziehen - es wird weh tun, aber nur kurz. Wenn der Zahn aber nicht gezogen wird, werden die Wirkungen des Eiterherdes immer schlimmer, Schmerzen, Quälerei, Fieber, Blutvergiftung und manchmal sogar ein Kreislaufzusammenbruch mit Todesfolge kommen unaufhaltsam auf den Kranken zu.

Führen Sie sich vor Augen wo Sie selbst und wo dieser Mensch in - sagen wir -  5 Jahren stehen. Wie der Verlauf dieser Erkrankung ist, haben Sie sicher gelesen. Es wird nicht anders ablaufen, als Sie es gelesen haben - das ist ganz sicher.

Machen Sie sich von der Vorstellung los, dass in Ihrem Fall und dem Fall dieses Menschen alles doch etwas anders ablaufen wird, als das bei anderen Menschen ist - DAS IST EIN IRRTUM und eine Wunschvorstellung.

Versuchen Sie zu verstehen, dass Sie ganz sicher nicht mit noch so großer übermenschlicher Liebe, Verständnis und dem eigentlich doch vorhandenen Verstand dieses Menschen erreichen könnten, dass er Ihnen zuliebe mit dem Alkohol aufhören wird. DAS IST EIN IRRTUM und eine Wunschvorstellung. Das "Virus Alkohol" macht das unmöglich. So hätte dieser Kranke früher einmal denken können - jetzt aber nicht mehr. 

Er versucht es immer wieder, aber es geht nicht.

 

Vielleicht können Sie sich die Vorstellung zueigen machen, dieser kranke Mensch wäre Ihr Patient und Sie wären der Arzt, der sich mit der Behandlung dieser Erkrankung auskennt. Wie jeder Arzt wissen Sie, dass manchmal unangenehme Prozeduren und bittere Pillen nötig sind, um einen Kranken zu heilen. Die Behandlung wird kein Zuckerschlecken und sie ist langwierig und erfordert Geduld. Sie brauchen Kraft dazu, wahrscheinlich mehr Kraft, als Sie bisher aufbringen mussten. Wenn Sie jedoch WISSEN, dass Sie jetzt die richtige Methode gefunden haben, und sich immer wieder daran erinnern, wird es sicher leichter. Alle in unserer Gruppe befindlichen ehemaligen "Patienten" sind auf diese Weise geheilt worden. 

Und alle anderen, die wir kennen, ebenfalls. 

 

Beginnen Sie nun damit, den Druck vom "Patienten" zu nehmen: 

Keine Vorwürfe mehr. Der Patient ist ja krank.

Keine Missachtung mehr. Das "Virus Alkohol" ist der eigentliche Übeltäter.

Keine abwertenden Worte mehr. Das Nervensystem ist vom "Virus-Alkohol" besetzt und auch krank.

Beginnen Sie sachlich und freundlich mit dem Patienten umzugehen. Sie verstehen ihn jetzt.

Keine Feindseligkeiten mehr - der eigentliche Feind ist ja auch das "Virus-Alkohol".

Auch wenn es Ihnen schwer fällt, unternehmen Sie etwas, beschäftigen Sie sich, 

   als wären Sie allein zuhause, leben Sie, als würden Sie in einer Wohngemeinschaft leben -   

   eigenverantwortlich. Die Situation wird sichtlich entspannt - Sie werden sehen.

 

Natürlich braucht diese Umstellung einige Zeit - lassen Sie sich und auch dem "Patienten" diese Vorbereitungszeit auf die nächste Stufe, denn allein mit dieser Umstellung ist es natürlich noch nicht getan. Nutzen Sie die Zeit für weitere umfassende Informationen über diese Suchterkrankung. Gut wäre es, wenn Sie eine Selbsthilfegruppe aufsuchen könnten, in der Sie Unterstützung, Rückhalt und einen Erfahrungsaustausch mit Menschen finden, die in dieser Situation schon waren oder noch sind. Und auch den Austausch mit " ehemaligen Patienten". Sie werden erstaunt sein, was Sie von dort erfahren und auch lernen können. Sie treffen dort auf Menschen "wie Du und ich", auf Menschen, die Sie wirklich verstehen. In jedem Fall können Sie von diesen Gruppen profitieren und Sie sind endlich nicht mehr allein im Kampf gegen das "Virus Alkohol".

 

Und wie geht es jetzt weiter?

© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)

Stand: 25. Oktober 2008