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Co-Verhalten verbunden mit einem Helfersyndrom So sieht der/die Co-Abhängige sich und die Beziehung
Es handelt sich bei den angeführten Beispielen um sinngemäße Originalzitate von verschiedenen Mitbetroffenen Frauen, die so beispielhaft für die meisten Frauen sind, dass wir sie hier vorstellen. Die Erkenntnisse und die Begründungen für die eigenen Handlungen dieser Frauen ähneln einander auf fatale Weise. Praktisch 80 Prozent der coabhängigen Frauen sehen sich in ihrer Aufgabe auf diese Weise an diese Beziehung gebunden, ja verpflichtet. Sie sehen keine andere Möglichkeit zu handeln. Jede dieser Frauen könnte (zum Beispiel) Beschreibungen über Co-Verhalten wie diese hier lesen, das Gelesene aber nicht auf das eigene Leben, auf das eigene Verhalten ableiten. Sie halten ihre eigene Denkweise für logisch, sind völlig überlagert von angespannten Gefühlen und dadurch gehindert, sich selbst in den Beschreibungen zu erkennen. Dadurch ist es ihnen auch nicht möglich, ihr Handeln zu überdenken und auf eine andere Weise an das Problem heranzugehen. Jeder gut gemeinte Rat, selbst der von ausgebildeten Fachleuten, wird als Unverständnis und Angriff gewertet.
Leider wird keinem abhängigen Menschen auf diese Weise wirklich geholfen. Aber jede/r glaubt fest, in diesem speziellen Fall sei dies anders.
Es ist ebenso tragisch wie auf fatale Weise interessant: Genau wie beim abhängigen Menschen wird vom Co-Abhängigen selbst durch Ausflüchte, unlogische Begründungen und Interpretationen sehr wirkungsvoll verhindert, dass wirklich etwas verändert werden kann. Dies geschieht teils unabsichtlich, aber teils auch bewusst. Es hat bisweilen den Anschein, dass es für den Mitbetroffenen die größere Katastrophe bedeuten würde, wenn der Betroffene wirklich aufhören würde zu trinken. Das jedoch darf er nicht formulieren - er behält es ganz tief vergraben in seinem Innersten für sich.
Es ist eine sehr schwere Aufgabe, als Außenstehender diesen Kreislauf zum Stillstand zu bringen. Aber es ist die einzige Chance, das Leiden der beiden Beteiligten zum Ende zu bringen. Ganz selten führen Gespräche zum Erfolg. Meist aber muss es erst ganz schlimm werden, müssen beide am Boden liegen, bis sich wirklich etwas bewegt.
Mein Mann
hatte früher in der Kindheit so große Probleme. Keiner hat ihn richtig
gemocht, niemand hat ihm etwas zugetraut und niemand hat ihm Urvertrauen
vermitteln können. Er quält sich oft mit schlechten Gefühlen oder
Depressionen herum, aber er redet nicht darüber, ist völlig
verschlossen. Manchmal sagt er, ich soll ihn in Ruhe lassen - aber das
ist nur, wenn das Reden für ihn noch schwerer ist, als das Aushalten
dieser Stimmungen. Sein Verhältnis zu seiner Familie ist auch heute
noch gestört. Er kann
deshalb seine Gefühle nicht richtig zeigen und sie auch nicht äußern.
Aus diesem Grund
Schon seine Eltern haben ein komisches Verhältnis zu ihrem Sohn. Die verstehen Stefan überhaupt nicht und hacken eher noch auf ihm herum. Er hatte doch noch niemanden, der an ihn geglaubt hat - und ich traue ihm aber zu, dass er alles schaffen kann, wenn er nur will. Alle anderen Frauen vor mir haben ihn im Stich gelassen, bei mir soll er sicher sein, dass ich zu ihm halten werde. Es ist ja wirklich kein Wunder, dass er immerzu Angst hat, dass er wieder allein dastehen wird, weil er es immer wieder vergeblich versucht. Er ist ein wirklich ein total intelligenter und besonders sensibler Mensch, deshalb hat er es ja auch schwer für ihn. Wenn er mich nur mal an sich ranlassen würde, dann könnte ich ihm schon erklären, weshalb er trinkt. Sicher würde es helfen, wenn er es versteht. Er kann es schaffen. Das weiß ich tief in meinem Herzen ganz sicher. Er müsste nur mal an sich glauben und sich das auch zutrauen. Auf mich soll er sich endlich mal verlassen können, denn alle anderen Menschen haben ihn einfach nur verlassen. Ich habe da eine Engelsgeduld. Wenn ich ihn jetzt fallen lassen würde, was sollte dann aus ihm werden?
Ich glaube nicht, dass sein Problem wirklich der Alkohol ist. Der Alkohol ist nur die Folge von seinen Schwierigkeiten. Es ist einfach so, dass er kein Selbstwertgefühl hat. Er kann auch niemand um Hilfe bitten. Seit Jahren erkläre ich ihm, dass ich ihn als Mensch wunderbar finde, dass ich fest an ihn glaube und er sich immer auf mich verlassen kann. Ich sehe doch, dass er keine Liebe gewohnt ist, dass er es nicht kennt und doch offenbar ganz dringend Liebe und Fürsorge braucht. Das ist es, was ihm eigentlich fehlen würde. Er kann es nur nicht annehmen, auch wenn ich es ihm sage. Ich darf nur nicht aufgeben - irgendwann wird er es verstehen und dann kann er auch mit dem Trinken aufhören. Ich werde ihn so lange aufbauen, bis er es aus eigener Kraft schafft. Ich bin sonst nicht so ein schrecklich geduldiger Mensch, aber wenn es darum geht, ihm wieder und wieder zu zeigen, dass es nicht zum Verlust meiner Liebe führt, wenn er Fehler macht, dann kann ich ewig durchhalten. Ich kann es oft fühlen, wie schlecht es ihm geht. Er ist innerlich manchmal ganz leer. er verliert immerzu die Hoffnung. Die muss ich ihm immer wieder geben, damit er durchhalten kann. Auch wenn er so schroff und aggressiv ist, dann geht es ihm in Wirklichkeit nur ziemlich mies und er kann es nicht sagen. Wer sollte ihm sonst durchhalten helfen, wenn nicht ich?
Aber ich
sehe doch, das Gegenteil ist der Fall. Harald ist da ganz anders als
andere Betroffene. Er bemüht sich ja, er versucht immer wieder mit mir zu
reden. Er hat sich schon sehr zu seinem Vorteil verändert. Er kämpft
doch immer wieder dagegen an. Er versucht es immer wieder, aber er
verliert eben auch immer wieder. Ich glaube, dass ich zumindest
erreichen konnte, dass er weiß, dass er nur noch mich hat. Wenn er nur
genug Urvertrauen, das ihm alle anderen nicht geben konnten, bekommt,
wird sich sein Verstand irgendwann durchsetzen. Er hat es wirklich
verdient, dass er es schafft - und
Er hat ja dann nichts mehr. Alle anderen Menschen haben ihn ja schon im Stich gelassen, und niemand hält zu ihm. So deprimiert wie er oft ist, wird er sich entweder zu Tode trinken, oder er wird sich etwas antun. Er hat das schon oft angedeutet. Das könnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Ich könnte das auch gut verstehen. Ich und alle Menschen wünschen sich doch, dass sie um ihrer selbst willen geliebt und anerkannt werden. Ich bin doch der einzige Mensch, der dies tut - ganz egal, was er anstellt. Wenn zum Beispiel ich von allen verlassen und ganz allein wäre, dann wollte ich auch nicht mehr leben. Darum erkläre ich ihm immer wieder, wie sehr ich ihn liebe, trotz dem es mit dem Aufhören nicht lange klappt. So lange ich sehe, dass er es versucht, und so lange es nicht wieder so schlimm wird, wie damals, bleibe ich bei ihm und helfe ihm. Und er liebt mich auch, das weiß ich. Ich sehe es ja in seinem Blick. Manchmal sagt er es auch am nächsten Tag. Wenn dieser verfluchte Alkohol nicht wäre, dann könnten wir das glücklichste Paar auf der Welt sein. Aber er wird es eines Tages schaffen, da bin ich ganz sicher. Ich darf nur nicht aufhören an ihn zu glauben und immer wieder aufs Neue zu kämpfen. Ich bin seine einzige Chance. Wenn er die verpasst, oder ich ihm nicht genug Zeit lasse, dann bekommt er nicht wieder eine Gelegenheit. Was soll dann aus ihm werden. Das wäre mein Wunschtraum, dass er es schafft und wir eine glückliche Familie werden. Mehr verlange ich doch gar nicht. Dafür lohnt es sich doch zu kämpfen, oder etwa nicht? |
© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)
Stand: 25. Oktober 2008