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Der Begriff der
Co-Abhängigkeit ist noch nicht so alt.
Bei der Behandlung von
Abhängigen sind die Ärzte und Therapeuten immer wieder auf ein
Phänomen gestoßen - der Angehörige oder Partner, Freunde und
Bekannte, Vorgesetzte oder Ärzte und auch Therapeuten zeigten beim
Umgang mit Abhängigen ähnlich unsinnige Verhaltensweisen.
Diese Verhaltensweisen haben
alle mehr oder weniger dazu beigetragen, dass der oder die betroffene
Abhängige nicht das Suchtverhalten zu beenden brauchte. Sie haben das
Suchtverhalten ohne eigene Absicht und im besten Glauben, das einzig
Richtige zu tun, unterstützt. Nur Außenstehende bemerken manchmal,
dass etwas ganz falsch läuft.

Verschiedene Behandler haben
zu verschiedenen Zeit und aus verschiedenen Blickwinkeln versucht, zu
ergründen, was dieses Verhalten auslöst, was es bedeutet, und warum
Menschen so handeln ohne es selbst zu merken.
Strittig ist noch immer,
ob es sich um eine eigene Krankheit handelt.
Der Begriff Krankheit scheint
uns in diesem Zusammenhang als zu weit gegriffen.
Der Co-Abhängige ist nach
unserer Auffassung nicht von vorn herein krank.
Er wird es aber im Laufe der
Zeit - der eine mehr, der andere weniger.
Immerhin ist vermutlich eine
Veranlagung vorhanden, in ein solches Verhaltensmuster leicht hinein zu
gleiten - um nicht co-abhängig zu werden, muss ein Mensch seelisch
besonders gesund sein. Er muss ein ausgeprägtes und sicheres
Selbstwertgefühl besitzen, dass ihn seine Grenzen rasch erkennen lässt
und keine Rücksicht auf die Beurteilung von anderen Menschen legen. Nur
dann kann ein Mensch eigentlich der immer ähnlich ablaufenden Mechanik
des Lebens im Umfeld eines abhängigen Menschen entgehen.
Aber wie viele Menschen sind
schon frei von Selbstzweifeln,
frei von gesellschaftlichen
Zwängen,
frei von gelernten
moralischen Denkmustern,
selbstbewusst und klar in den
eigenen Entscheidungen.
Welche Partnerschaft ist eine
ideale Partnerschaft,
in der jeder Partner ein
eigenständiges Leben führt,
ohne auf den anderen
Rücksicht nehmen zu müssen,
weil jeder dem anderen
Freiraum lässt, er oder sie selbst zu sein?
Sollten Sie in solch einer
Gemeinschaft leben, dann gratulieren wir Ihnen.
Der weitaus größere Teil
der Menschen hat nicht ganz so ideale Lebensgemeinschaften, je nach dem,
was die an dieser Gemeinschaft Beteiligten von eben dieser Gemeinschaft
erwarten, was Sie als Kind gelernt haben, wie eine Lebensgemeinschaft
aussehen sollte.
Nicht strittig ist
allerdings dagegen, dass eine ausgebrochene Co-Abhängigkeit einer
eigenen Behandlung bedürfen würde - leider wird darauf nur zu selten
hingewirkt.
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Um
Co-Abhängig zu werden, bedarf es weder fehlender Intelligenz
noch Desinteresse an der Sache oder am Menschen. Eher das
Gegenteil ist meist der Fall.
Es
ist hier ebenso wie bei der Abhängigkeit selbst:
Jedermann
und Jederfrau kann co-abhängig werden, so bald sich ein
soziales Verhältnis mit einem abhängigen Menschen ergibt.
Besonders
muss der Umstand beachtet werden, dass dieses Co-Verhalten auch
bei Vorgesetzten, bei Kollegen, bei Ärzten oder anderen
Menschen hervorgelockt wird, die gefühlsmäßig nicht so sehr
mit dem Leben des betroffenen abhängigen Menschen verwoben
sind, wie beim Partner.
Dies
spricht gegen eine Vorerkrankungs-Theorie. |
Es ist mit Sicherheit so,
dass sich bestimmte Menschentypen schneller in solchen Beziehungen
wieder finden - eben besonders die Menschen, die ihren eigenen Wert nicht
einschätzen können, wo es an Durchsetzungskraft fehlt, an
Eigenständigkeit und Selbstvertrauen.
Leider sind es genau die
Menschen, denen es am Schwersten fällt, etwas Entscheidendes dazu zu
tun, dass der abhängige Mensch mit seiner Lebensweise aufhören muss.
Aus diesem Grunde ist es besonders schwer, dass sich ein co-abhängiger
Mensch klar macht, dass er meist der einzige Mensch ist, der überhaupt etwas
tun kann und auch tun sollte. Und dass er versteht, dass genau das, was
er seither tat, nicht hilfreich war.
Dass er etwas tun muss, was
ihm schon immer am Schwersten fiel - für sich selbst und für sein
eigenes Selbstvertrauen etwas zu tun und nicht für das des abhängigen
Menschen.
Aufgabe des Menschen, der
in irgendeiner Weise mit abhängigen Menschen zu tun hat, ist in erster
Linie zu erkennen, was da zwischen den Beteiligten stattfindet, und
welches die eigenen Rolle ist. Damit ist der Grundstein zu
dauerhafter Besserung der Umstände gelegt. Leider ist das wirklich
schwierig und man beurteilt sich hier wie auch sonst, recht einseitig.
Außenstehende können meist Zusammenhänge deutlicher sehen - also ist
"mit anderen darüber reden" sehr wichtig.
Es
ist für das Gesundwerden unerlässlich, dass der abhängige Mensch für die Handlungen, die er
begeht, selbst einstehen muss - und zwar in vollem Umfang. Wie zum
Beispiel in Kindererziehung oder Tiererziehung ist es besonders wichtig,
klare Grenzen zu ziehen, Übertretungen dieser Grenzen deutlich
aufzuzeigen und Konsequenzen dafür anzukündigen und diese einzuhalten.
Dadurch erst wird er betroffene Mensch wieder ein Mensch - so lange er
seine Abhängigkeit ausleben darf, wird er lethargisch, desinteressiert
und handlungsunfähig.
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