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Psychologisches Phänomen -
ist es Co-Abhängigkeit und/oder das Helfersyndrom?
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Der Weg in die Co-Abhängigkeit ist ähnlich schleichend, wie der Weg in die Abhängigkeit. Parallel zu der Wesensänderung des suchtkranken Menschen gleitet der Co-Abhängige in ein ebenso festgefahrenes Verhaltensmuster ab, das ihn am Ende genau so krank machen wird, wie es der Suchtkranke selbst ist. Der Co-Abhängige benötigt ebenso Hilfe und Therapie, wie der Suchtkranke. Mehr noch: wenn der Co-Abhängige sich nicht helfen lässt, nicht in der Lage ist einzusehen, welche schlimmen Mechanismen sein Verhalten auslöst, stehen die Chancen für den Suchtkranken denkbar schlecht. In vielen Fällen hat ein Co-Abhängiger bereits eine längere "Kariere" als Helfer für alle und alles hinter sich. Er hat es gelernt, immerzu gebraucht und ausgenutzt zu werden - und er empfindet diesen Zustand als "Normal". Er merkt überhaupt nicht, das da etwas nicht richtig ist. Eine Partnerschaft ist ein Spiegel – ein Partner reflektiert des Verhalten des anderen. Wenn sich ein Partner ändert, wird das Verhalten des anderen Partners zwangsläufig ebenfalls anders werden. Das ganze Umfeld beider Partner ist ein weiterer Spiegel, in dem sich das Paar gemeinsam zeigt und Reflektionen der Mitmenschen auslöst. Wenn sich einer der Partner beginnt zu ändern, hat diese Änderung also viele verschiedene Folgen bis weit hinaus in die Umwelt – denn jeder Mensch reflektiert andere Menschen. Stellen Sie sich nur zum Beispiel einmal vor, wenn sie morgens einen fremden Menschen freundlich anlächeln und ein paar nette Worte sagen, wie dies seine Laune heben kann. Er ist auf der Arbeit nett zu ein paar Kollegen, alle verleben einen angenehmen Arbeitstag und abends reflektieren die Ehefrau und die Kinder die gute Laune, und so kriegt Dackel Waldi auch noch sein Teil des morgendlichen Lächelns von Ihnen ab. Toll, was? (Tun Sie morgen doch mal was Gutes!) Genauso werden Verhaltensweisen reflektiert. Ständig gleiche Verhaltensweisen stumpfen zudem noch ab. Man lernt, schon vorher zu wissen, was der andere jetzt sagen, tun oder gar denken wird. Eine Änderung der eingefahrenen Wege erreicht man also am einfachsten, wenn man selbst etwas ändert. Dann wird sich um einen herum auch etwas ändern.
Oder Co-Abhängige haben eine übermächtige, alles überschwemmende Menge an Gefühlen, die sie kaum bewältigen können. Ihr oberstes Gebot lautet: Alles und jeden kann ich verstehen, alles verzeihen, ich werde nicht aggressiv – Wut findet nicht mehr bewusst statt – aber Weinen ist an der Tagesordnung, denn Verletztwerden ist etwas „normales“, etwas Alltägliches, was man dem Verursacher nicht übel nehmen kann (denn er meint das ja nicht so.. du siehst das ganz falsch, er ist überhaupt nicht so ... er kann nur einfach nicht anders...)
Der/Die Co-Abhängige muss unentbehrlich werden, damit nicht nur die Dankbarkeit des Kranken garantiert ist, sondern alle in dem Umfeld froh sind, dass es sie/ihn gibt. Dann ist das „nichts- wert- sein“ endlich kompensiert: mit äußerster Anstrengung und Verausgabung bis zum Umfallen ist endlich das erreicht, was man so sehr braucht - man wird anerkannt und hat doch immer das unangenehme Gefühl und die Angst, nicht wirklich geliebt zu werden. Obwohl der Kranke und die anderen Personen aus dem Umfeld praktisch auf die Hilfe und den vollen Einsatz des/der Co-Abhängigen angewiesen sind, bleibt die immer währende Ungewissheit: „habe ich denn immer noch nicht genug getan, dass man mich dafür lieben kann? Ich bin sogar bei äußerstem Einsatz nur ein Versager!“ Und dann verdoppelt der/die Co-Abhängige die Anstrengungen noch einmal – wohin das führt, ist ziemlich klar. Der/Die Co-Abhängige weiß das ebenso wie alle anderen. Aber das gehört zu dem bekannten Konzept: „dann mache ich eben weiter, bis ich umfalle – dann wird mir doch wohl die uneingeschränkte Anerkennung sicher sein, dann werden alle sehen, was ich leisten kann und mich lieben müssen.“ Der/die Co-Abhängige spielt pausenlos eine Rolle, von der er/sie annimmt. sie wirke noch aufopfernder als Mutter Theresa und deshalb ist die Wertschätzung aller Menschen dadurch garantiert. Meist werden psychologische „Tricks“ im Umgang mit dem Kranken angewandt und Erziehung und Kontrolle ausgeübt, als handele es sich bei dem Suchtkranken um ein schwer erziehbares Kleinkind, das nun zum ersten Mal erfahren soll, was eine liebevolle und verständnisvolle Anleitung bewirken kann. „Wenn ich mich nur gut genug in ihn hineinversetze und seine eigenartigen Handlungsweisen nachvollziehen kann, muss er doch verstehen, dass ich es als Erste in seinem Leben wirklich gut mit ihm meine...“ „...er hat sich nie als Mensch verstanden gefühlt, keine/r hat ihn wirklich geliebt ...“ „...er hat ja auch keine Achtung mehr vor sich selbst...) (!!!) (...er hat sich ja noch nie als wertvollen Menschen begreifen können...) Wenn die übermenschlichen Bemühungen um Liebe und Anerkennung wieder einmal fehlschlagen, sind diese Fehlschläge nur ein weiteres Indiz dafür, die eigene Person als wertlos anzusehen und nach einem Augenblick der Resignation wird das Hamsterrad wieder angeworfen – nur diesmal läuft es noch ein wenig schneller. Das heißt, man diktiert selbst das Tempo. Und dies umso mehr, als der „Betreute“ inneren Widerstand dagegen setzt: es wird noch mehr erklärt, noch mehr vorgelebt, noch mehr Liebe gezeigt, noch mehr Einsatz gebracht, noch mehr Verständnis gezeigt, noch mehr.. noch mehr... |
© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)
Stand: 25. Oktober 2008