Navigation fehlt links? Index nachladen


Psychologisches Phänomen -

ist es Co-Abhängigkeit und/oder das Helfersyndrom?

1

„Anderen zu helfen ist ein edler Charakterzug.“  

Das ist ein Grundsatz, an den wir alle glauben.

Helfer – das sind uneigennützige Menschen, manchmal sogar Märtyrer, die alles für andere tun und sich manchmal selbstlos für einen „guten Zweck“ aufopfern. Wir zollen diesen Helfern selbstverständlich Achtung, wir ziehen den Hut vor ihren Leistungen und in unserer Stimme schwingt Anerkennung mit, wenn wir von ihnen erzählen. Wir sind voll Bewunderung und froh, dass es solche Menschen gibt – vielleicht kommen wir bald selbst in eine Situation, in der wir einen Helfer brauchen.

 

Warum helfen Menschen?

Ein Mensch hilft einem anderen Menschen, weil der andere diese Hilfe braucht – und wahrscheinlich, weil der helfende Mensch etwas hat, was er dem anderen Hilfe suchenden Menschen geben kann. Ganz sicher auch. weil der Helfer möchte, dass der Bedürftige zu etwas kommt, was er im Moment nicht hat. Jedem fällt hierzu als ehernes Beispiel Mutter Theresa ein – der Inbegriff der Selbstlosigkeit und Selbstaufgabe für den guten Zweck. Es bedarf keiner weiteren Erläuterung, welcher Typ des Helfers hier gemeint ist. Ganz gleich, ob es sich zum Beispiel um Medikamenten- oder Lebensmittelbeschaffung, oder um so etwas Abstraktes handelt, wie Menschenwürde oder Freiheit. Humanitäre Hilfe – im Kleinen oder auch im Großen wird von vielen Menschen humanitäre Hilfe geleistet. Dafür sammeln wir Milliarden an DM und wir werden diese Art der Hilfe immer (hoffentlich) als oberste Menschenpflicht empfinden.

 

Das Helfersyndrom

Aber nicht alle Helfer sind, wie Mutter Theresa war. 

Helfer möchten in der Regel auch so ähnlich sein wie Mutter Theresa und von allen anderen Menschen so gesehen werden - eine selbstlose Person, der für das Wohl anderer Menschen oder eines anderen Menschen Opfer auf sich nimmt, zumeist ein schweres Leben hat und trotzdem durchhält. Es gibt aber noch eine weitere Seite des Helfens (diese Seite bezieht sich selbstverständlich NICHT auf Menschen wie Mutter Theresa) die auf den zweiten Blick hin nicht mehr ganz so uneigennützig ist, wie es zunächst den Anschein hatte. Eine Seite, die dem Helfer oft nicht einmal selbst bewusst ist. Eine Seite, von deren Existenz Kenntnis zu erhalten, oft ein langwieriges und schmerzhaftes Unterfangen für den helfenden Menschen selbst darstellt, die aber nicht nur beachtenswert ist, sondern geradezu unabdingbar erkundet werden muss, wenn die Hilfe, die gegeben wird, zum Erfolg führen soll. 

Ein Mensch mit Helfersyndrom hat sozusagen eine Sucht zum Helfen.

Pfeil hoch

Angehörige eines Suchtkranken werden in der Regel zum Co-Abhängigen, wie die meisten wissen.  

Wenn sich die Sucht zum Helfen mit dem Co-Alkoholismus treffen, wird eine Hilfeleistung für beide Betroffene zusätzlich erschwert.

Es entsteht ein Kreislauf von gegenseitigem Suchtverhalten, aus dem es nur sehr schwer ein Entrinnen gibt und das alle Energiereserven des Menschen mit dem Helfersyndrom benötigt, um besiegt zu werden.

Ein coabhängiger Mensch hat bestimmte Verhaltensweisen an sich, die sich zumeist im Laufe der Abhängigkeitsentwicklung sozusagen mit–entwickelt haben. Wenn man einen Angehörigen eines langjährigen Alkoholikers befragt, WARUM er jahrelang den Suchtkranken gedeckt hat, warum er ihm immer wieder verziehen hat, warum er all die Demütigungen und Qualen erduldet hat, wird er antworten: „Ich wollte ihm/ihr doch nur helfen!“

Das ist doch verständlich, oder?

Aber – war diese Hilfestellung ganz allein der Grund für die vielen verschenkten Monate oder Jahre? Gibt es vielleicht noch ganz andere Gründe, warum selbst eindrucksvolle Erklärungen eines Arztes oder eines Suchtberaters NICHT dazu geführt haben, dass der/die Angehörige im Interesse des Suchtkranken mit dieser falschen Art des „Helfens“ aufgehört hat? Gibt es eine sinnvolle Erklärung dafür, dass der Helfer/die Helferin immer und immer wieder zu der Überzeugung gekommen sind, dass der suchtkranke Mensch „vor die Hunde gehen würde“, wenn nicht weiter gedeckt, geduldet und entschuldigt werden würde?

Gibt es überhaupt eine „falsche Art der Hilfe“?  

© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)

Stand: 25. Oktober 2008