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Co-Abhängigkeit
nicht nur in suchtgeschädigten Familien und Beziehungen
Grundhaltungen
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Ebenso finden sich diese Strukturen in anderen Familienbeziehungen, die etwa durch besonderen Jähzorn oder Gewalt eines Elternteiles auffallen, die besonders übertrieben religiösen Vorstellungen verhaftet sind, in Familien mit sexuellen Übergriffen untereinander und ähnlichen Fehlentwicklungen.
Es werden Verhaltensweisen entwickelt, die mehr und mehr zu Verstrickungen führen. Die eigenen Gefühle werden nach und nach verändert, Einstellungen zum Leben und zu moralischen Grundsätzen werden beeinflusst, die gesamte Persönlichkeit des Co-Abhängigen wird sich verändern.
Meist werden durch diese Umstände familiäre Regeln aufgestellt, ohne dass jemals ein Wort darüber verloren wurde, z.B.: - Über Probleme spricht man besser nicht - Gefühle, besonders negative, zeigt man besser nicht - Jeder in der Familie, außer dem betroffenen Menschen, sollte besonders "edel, hilfreich und gut" sein.
Im Prinzip sind dies gesellschaftliche "Erfordernisse", die man einzuhalten genötigt ist, um möglichst lange ein Bild einer intakten, sozial anerkannten und angepassten Familie, Beziehung oder Firma abgeben zu können, bzw. die betroffene Person zu schützen. Die Co-Abhängigkeit führt auf längere Sicht zu desolater Gesundheit, zu Spätschäden (besonders tragisch bei Kindern von Abhängigen oder Kindern aus Chaos-Familien), zu einer Reihe von Folgeerscheinungen, die weiter dazu führen, dass nur sehr schwer ein Ausweg gefunden werden kann.
Wozu Co-Abhängigkeit niemals führt, ist, dass der abhängige Mensch seine Sucht beendet.
Im Prinzip kann man sagen,
dass in den meisten Fällen eine Grunderkrankung der Mitbetroffenen
Menschen vorhanden war, die durch die Beziehung zum abhängigen Menschen
zum Ausbruch kommt.
Der Prozess des "Abhängigwerdens" ist ein länger dauernder, heimlicher und schleichender Prozess. Parallel dazu entwickelt sich die Co-Abhängigkeit ebenso leise und unbemerkt, aber ebenso mit ansteigender Tendenz. Es ist fast wie ein "Angesteckt- werden" mit einem Virus. Die Krankheitsentwicklung ist eigentlich nicht zu verhindern und schwer zu erkennen, ein Stillstand oder eine Heilung manchmal noch schwieriger zu erreichen, als die Krankheitseinsicht bei einem Abhängigkeitserkrankten.
Beide Entwicklungen sind aber erst auf dem guten Nährboden unserer Gesellschaft möglich und zum großen Teil von eben dieser Gesellschaft überhaupt erst verursacht. Trotzdem tut die Gesellschaft nichts für diese Opfer - im Gegenteil, die Ausgrenzung ist eher der Fall - dies gilt für den Co-Abhängigen ebenso wie für den abhängigen Menschen. Opfer sind eigentlich beide gleichermaßen - Mitbetroffene und Abhängige. Zum Teil liegt aber gerade dieses Manko wieder begründet in unserer Gesellschaft, die wenig außerhalb der Norm duldet. Zeigt man eine Schwäche, so wird meist, wie in der Tierwelt, der vermeintlich Gesunde über den vermeintlich Kranken herfallen. Allerdings ist anzunehmen, dass etwa 90 Prozent der Mitglieder unserer Gesellschaft eigene schwerwiegende Probleme mit sich herumtragen, und davon der größte Anteil selbst in co-abhängiges Verhalten abgleiten würde, wenn eine ähnliche soziale Konstellation in ihrem Umfeld auftreten würde. Praktisch kaum jemand kann sich davor schützen.
Die eigene Gesundheit wird jedoch meist nicht als wichtig angesehen. Die Sorge für und um den betroffenen Menschen ist viel zu groß, um eigene Probleme und Entwicklungen im Auge zu behalten.
Wenn Sie als Co-Abhängige/r dann aber den unterstützenden Mechanismus Ihres Verhaltens wenigstens im Kopf, wenn schon nicht im Bauch, verstehen können, dann sollten Sie handeln, wenn Ihnen die Gesundheit des betroffenen Menschen wirklich am Herzen liegt. |
© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)
Stand: 25. Oktober 2008