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Nebenwirkungen
BENZODIAZEPINE
Gegenanzeige
1 Bekannte Überempfindlichkeit
gegen Benzodiazepine
2
Medikamenten-, Drogen-, Alkoholabhängigkeit
3 Kinder und
Jugendliche (Ausnahme: Prämedikation vor chirurgischen Eingriffen, Krampfanfälle,
Status epilepticus)
4 Akutes
Engwinkelglaukom
Anwendungsbeschränkung
1 Myasthenia gravis
2 Spinale und cerebrale Ataxie
3 Akute
Vergiftung mit Alkohol, Schlaf- oder Schmerzmitteln, Neuroleptika,
Antidepressiva, Lithium
4 Schwere
Leberschäden (z. B. cholestatischer Ikterus)
5 Schwere
chronische respiratorische Insuffizienz (Hyperkapnie), insbesondere im Stadium
akuter Verschlechterung
6
Schlaf-Apnoe-Syndrom
7 Hinweis: Bei
älteren Patienten (ven„ngerte Ausscheidung, verminderte Toleranz,
insbesondere bei kardiorespiratorischer lnsuffizienz) sowie Patienten in
reduziertem Allgemeinzustand und Patienten mit hirnorganischen Veränderungen,
Kreislauf- und Ateminsuffizienz individuelle Reaktion des Patienten auf das Medikament kontrollieren.
Schwangerschaft
Strenge
lndikationssteiiung.
Ausreichende
Erfahrungen über die Anwendung beim Menschen liegen nicht vor.
Der Tierversuch
erbrachte keine Hinweise auf embryotoxische/teratogene Wirkungen. Bei
Dauerbehandl. im 3. Trirnenon oder
hochdos. Behandl. kurz vor der Geburt Entzugssymptome beim Neugeborenen
(Trinkschwäche, Hypothermie, Hypotonie, leichte Atemdepression) möglich (floppy-infant-Syndrom).
Stillzeit
Contraindiziert.
Während der
Stillzeit Sedierung, leichte Atemdepression und Trinkschwäche beim Säugling möglich.
Nebenwirkung
Häufigste
Nebenwirkungen sind Schläfrigkeit und Benommenheit(Reaktionsvermögen). Bei älteren
Patienten kann die Beeinträchtigung des Muskeltonus bedeutsam sein.
Haut
1 Überempfindlichkeitsreaktionen
(z.B. Allergien)
Muskel u.
Skelett
2 Muskelschwäche
(selten)
3 Bewegungs-
und Gangunsicherheit (bei hoh. Dos. u. Langzeitbehandl.) (reversibel)
Nervensystem
und Psyche
4 Müdigkeit,
Schläfrigkeit, Mattigkeit, Schwindelgefühl, Benommenheit (häufig)
5 Kopfschmerzen
6 Verwirrtheit
7
Artikulationsstörungen, Schwindel (b. hoh. Dos. u. Langzeitbehandl.)
(reversibel>
8 Paradoxe
Reaktionen (z.B. akute Erregungszustände, Wutanfälle)
9 Unerwünschte
anterograde Amnesie
10 Abnahme der
Libido (selten) 11 Menstruationsstörungen (Einzelfälle)
12 Depressive
Verstimmungen (selten)
13 Besondere
Vorsicht: Abhängigkeit, Entzugssyndrom (bei abruptem Absetzen nach
Langzeitbehandlung)
Nach längerer
Einnahme und plötzlichem Absetzen Schlafstörungen und vermehrtes Träumen,
Angst, Spannungszustände, Erregung, innere Unruhe, Zittern, Schwitzen, Erhöhung
der Krampfbereitschaft mit Auslösen von Krampfanfällen bzw. symptomatischen
Psychosen (sog. Entzugsdelir)
Augen
14 Sehstörungen,
Doppelbilder, Nystagmus (b. hohen Dos. u. Langzeitbehandlung (reversibel)
Gastrointestinaltrakt
15
Mundtrockenheit (selten)
16
Magen-Darm-Beschwerden
Leber, Galle
18 Passagerer
Anstieg der Leberwerte
Kreislauf
19
Blutdruckabfall (selten)
Atemwege
20
Atemdepression (selten, insbes. bei Atemwegsobstruktion und Hirnschädigung)
Wechselwirkung
1
Zentralwirksame Pharmaka und Alkohol <Gegenseitige Wirkungsverstärkung>
2
Muskelrelaxanzien, Analgetika und Lachgas
<Wirkungsverstärkung von Muskelrelaxanzien, Analgetika und
Lachgas>
3 Cimetidin
<Verstärkung und Verlängerung der Wirkung bestimmter Benzodiazepine
durch verzögerten Abbau (Benzodiazepine, die einer Phase-l-Reaktion
unterliegen)>
4 Zentral
wirkende Antihypertonika, Betablocker <Unter
der Dauerbehandl. möglich. Art und Umfang nicht vorhersehbar.>
5 Antikoagulantiien
<Unter der Dauerbehandlung möglich. Art und Umfang nicht vorhersehbar.>
Intoxikation
Überdosierung
von Benzodiazepinen äußert sich gewöhnlich durch zentralnervöse Dämpfung
unterschiedlicher Schweregrade von Benommenheit bis zu komatösen Zuständen.
Besondere Möglichkeiten:
Meist geringere
akute Toxizität. Neben der Kontrolle von Atmung, Pulsfrequenz Benzodiazepine sind Arzneistoffe zur symptomatischen Behandlung vorübergehend medikamentös behandlungsbedürftiger schwerer Angstzustände und Schlafstörungen. Seit längerem geben Missbrauch und Abhängigkeit Anlass zur Besorgnis. Benzodiazepine werden nach bisherigen Erkenntnissen zu häufig und über eine zu lange Zeit verordnet. Das Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung steigt mit der Höhe der Dosis und der Dauer der Anwendung. Neben ihrem Abhängigkeitspotential beinhalten Benzodiazepine weitere Risiken wie die von Residualeffekten Beeinträchtigungen des Reaktionsvermögens, z. B. Verkehrsgefährdung, Absetz-Phänomenen einschließlich Rebound-Effekten (verstärktes Widerauftreten der ursprünglichen Symptomatik nach Absetzen der Medikation), Gedächtnisstörungen und anterograder Amnesie, neuropsychiatrischen Nebenwirkungen einschließlich paradoxer Reaktionen, ferner Änderung der Halbwertszeiten bestimmter Stoffe, insbesondere bei älteren Menschen.
Deshalb sind
von den verordnenden Ärzten die folgenden Richtlinien zu beachten, die unter
Berücksichtigung von Veröffentlichungen der Arzneimittelkommission
der Deutschen Ärzteschaft und der Arbeitsgemeinschaft Neuropsychopharmakologie
und Pharmakopsychiatrie formuliert wurden:
1. Sorgfältige
lndikationsstellung!
2. Bei
Patienten mit einer Abhängigkeitsanamnese ist besondere Vorsicht geboten. In
der Regel keine Verschreibung.
3. In der
Regel kleinste Packungseinheit verordnen.
4. In möglichst
niedriger, aber ausreichender Dosierung verordnen; Dosis möglichst schon in der
ersten Behandlungswoche reduzieren bzw. Dosierungsintervall vergrößern.
5.
Therapiedauer vor Behandlungsbeginn mit dem Patienten vereinbaren und
Behandlungsnotwendigkeit in kurzen Zeitabständen überprüfen. Es
gibt Abhängigkeit auch ohne Dosissteigerung sowie die sogenannte
„Niedrigdosis-Abhängigkeit"!
6. Nach längerfristiger
Anwendung (über eine Woche) schrittweise Dosisreduktion, um Entzugssymptome,
wie z. B. Unruhe, Angst, Schlafstörungen, delirante Syndrome oder Krampfanfälle,
zu vermeiden. Auch leichte Entzugssymptome können zu erneuter Einnahme führen.
7. Aufklärung
des Patienten, dass Benzodiazepine keinesfalls an Dritte weiterzugeben sind.
8.
Benzodiazepin-Verschreibungen sollten vorn Arzt stets eigenhändig ausgefertigt
und dem Patienten persönlich ausgehändigt werden.
9. Beachtung
der Fach- und Gebrauchsinformation sowie der einschlägigen wissenschaftlichen
Veröffentlichungen.
10. Alle Abhängigkeitsfälle
über die jeweiligen Arzneimittelkommissionen der Kammern der Heilberufe dem
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zur Kenntnis
bringen.
Zur
Beachtung für den Patienten
Dieses
Arzneimittel enthält ein „Benzodiazepin". Benzodiazepine
sind Arzneimittel zur Behandlung bestimmter Krankheitszustände, die mit Unruhe-
und Angstzuständen, innerer Spannung oder Schlaflosigkeit einhergehen. Nicht
alle Angstzustände oder Schlafstörungen bedürfen der Behandlung mit einem
Arzneimittel. Oftmals sind sie Ausdruck körperlicher oder seelischer
Erkrankungen oder anderer Konflikte und können durch andersartige Maßnahmen
oder eine Behandlung der Grunderkrankung beeinflusst werden. Benzodiazepine
beseitigen nicht die Ursache der Störung. Sie vermindern den Leidensdruck und können
darüber hinaus eine wichtige Hilfe sein, um z. B. den Zugang für eine
weiterführende
Behandlung und die entsprechende Problernverarbeitung zu erleichtern. Bei der
Anwendung von Benzodiazepin-Arzneimitteln kann es zu einer Abhängigkeit kommen.
Um dieses Risiko so gering wie möglich zu halten, wird Ihnen geraten, die
folgenden Hinweise genau zu beachten:
1.
Benzodiazepine sind allein zur Behandlung krankhafter Zustände geeignet und dürfen
nur auf ärztliche Anweisung eingenommen werden.
2. Eine
unkontrollierte längerfristige Einnahme muss vermieden werden, da sie zu einer
Medikamentenabhängigkeit führen kann. Nach spätestens zweiwöchiger Einnahme
sollte der Arzt aufgesucht werden, damit dieser über eine Weiterbehandlung
entscheiden kann. Bei einer Einnahme ohne ärztliche Anweisung verringert sich
die Chance, Ihnen durch ärztliche Verordnung mit diesen Arzneimitteln zu
helfen.
3. Erhöhen
Sie auf keinen Fall die vom Arzt vorgeschriebene Dosis, auch dann nicht, wenn
die Wirkung nachlässt. Dies kann ein Zeichen einer Abhängigkeitsentwicklung
sein. Durch eigenmächtige Dosissteigerung wird die gezielte Behandlung
erschwert.
4. Bei
Absetzen nach längerem Gebrauch können - oft mit Verzögerung von einigen
Tagen - Unruhe, Angstzustände und
Schlaflosigkeit auftreten. Diese Absetzerscheinungen verschwinden im allgemeinen
nach einigen Tagen bis Wochen.
5. Wenn Sie
derzeit oder früher einmal abhängig von Alkohol, Arzneimitteln oder Drogen
sind bzw. waren, dürfen Sie Benzodiazepine nicht einnehmen; seltene, nur vom
Arzt zu beurteilende Situationen ausgenommen. Machen Sie Ihren Arzt auf diesen
Umstand aufmerksam.
6. Nehmen
Sie Benzodiazepine enthaltende Arzneimittel nie ein, weil sie „anderen so gut
geholfen haben“ und geben Sie diese Arzneimittel nie an andere weiter.
Standard-Hinweis
Dieses
Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen
so weit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr
oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem
Maße im Zusammenwirken mit Alkohol. |
© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)
Stand: 25. Oktober 2008