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Wie schaffe ich den Ausstieg

 

Leider sind Medikamentenabhängige oft wesentlich uneinsichtiger, was das Zugeben und das sich- selbst- Eingestehen der Abhängigkeit betrifft, als es Alkoholabhängige sind. Ein von Alkohol abhängiger Mensch hat zumeist insgeheim für sich selbst schon empfunden, dass "etwas" mit der Menge und/oder der Häufigkeit seines Alkoholkonsums nicht mehr ganz in der Norm zu liegen scheint. Jemand, der immer wieder zu Beruhigungsmitteln greift, wird eine Abhängigkeit heftigst bestreiten. Das macht es äußerst schwierig, in frühem Stadium Hilfe anzubieten.

 

Ohne ärztliche Hilfe kommt kaum jemand aus einer Suchtsituation heraus. Hilfe und Unterstützung ist nötig, manchmal sogar medikamentöse Hilfestellung, und natürlich die Suche nach dem Warum. Wir können niemandem raten, es auf eigene Faust mit Selbstentzug zu probieren – das kann (wie auch beim Alkoholiker) sehr gefährlich werden. Vor allen Dingen ist ja nach dem Entzug nichts geändert – weder an der Lebenssituation, noch an der Art und Weise, wie man damit umgeht. Daher ist die „Nachsorge“, eine Therapie, unbedingt notwendig, damit nicht in kurzer Zeit alte Gewohnheitsmuster aufgenommen werden oder sich die Sucht lediglich auf eine andere Ebene verlagert. Das ist bei allen Suchterkrankungen möglich.

 

Also gilt auch hier:

Lassen Sie sich helfen, denn Sie brauchen jetzt Hilfe. Gehen Sie zu einer Suchtberatungsstelle, oder gehen Sie zu einem Arzt, der sich damit auskennt.  Oder wenden Sie sich an eine Selbsthilfegruppe, denn es werden hier auch Kontakte zu Fachkliniken gepflegt und man kann Ihnen passende Anlaufadressen geben.

Man wird Ihnen in einer Fachklinik dabei helfen, Ihren Körper von den Medikamenten zu entgiften. Erst wenn das geschehen ist, können Sie sich darauf konzentrieren, Ihre Seele ebenfalls von den Tabletten zu befreien.

 

Auch bei Medikamentenabhängigkeit besteht noch längere Zeit die Gefahr eines Rückfalles. Sie brauchen Zeit und Geduld sowie den eigenen Willen, mit der Sucht endgültig Schluss zu machen. Aber die notwendige neue Lebenseinstellung festigt sich von Monat zu Monat. In der Folgezeit ist es daher empfehlenswert, eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe aufzusuchen. Sie finden dort Menschen, die Sie verstehen und mit denen Sie reden können. Das hilft mehr als Sie vielleicht glauben. Selbst wenn Sie keine Selbsthilfegruppe finden, die sich ausschließlich Medikamentenabhängigen widmet, sind Sie richtig aufgehoben. Das Muster, nach dem man abhängig wird, ist immer dasselbe. Und machen Sie sich bitte von der Vorstellung los, dass Sie dort einen Haufen heruntergekommener Säufer vorfinden – Sie finden dort Menschen, wie Du und ich. Sucht macht weder vor einem Portemonnaie noch vor einem tollen Beruf, nicht vor Alt und nicht vor Jung. Absolut jeder kann davon betroffen sein. Überzeugen Sie sich selbst!

 

Entzug

Die häufigsten Abhängigkeitsfälle sind die von Beruhigungs- und Nervenmitteln, also von den berühmten Benzodiazepinen. Das Absetzen dieser Mittel darf auf keinen Fall abrupt geschehen, sie müssen „ausgeschlichen“ werden. Und das selbst dann, wenn Sie nur kleine Mengen (viertel oder halbe) einnehmen. Die dann auftretenden Entzugserscheinungen wären erheblich.

 

Der Entzug bei anderen Suchtstoffen wie zum Beispiel Opiaten ist weit schwieriger zu bewerkstelligen und die Rückfallgefahr ist höher.

 

Es ist theoretisch ebenfalls möglich, den Entzug bei Benzodiazepinen auch ambulant durchzuführen. Er verlängert sich aber um viele Wochen auf einige Monate und ist weit schwieriger durchzuhalten, als der stationäre Entzug.  Außerdem ist es sicherlich unbedingt zu überlegen, ob man sich selbst nicht eine Auszeit und eine Möglichkeit zu Neubeginn lässt, bei dem die üblichen täglichen Probleme, das Umfeld und andere Belastungen erst einmal ausgeschaltet werden. Sehen Sie den Entzug und die folgende Therapie doch als Heilkur für Körper und Seele an, aus der sie erfolgreich und gestärkt, zuversichtlich und gesund in eine neue Zukunft blicken können.

 

Entwöhnungstherapie

 

Der Entzug ohne anschließende Therapie ist wenig sinnvoll und noch weniger Erfolg versprechend. Ohne die Grundlagen des eigenen Verhaltens kennen zu lernen, sind Sie anschließend kaum gegen eine erneute Abhängigkeit gewappnet.

Zum überwiegenden Anteil wird die Therapie aus Gesprächen bestehen, Gespräche über sich und die Umwelt, Gespräche mit Therapeuten und – sehr wichtig – Gespräche mit ebenfalls Betroffenen. Hier dreht sich einmal alles ausschließlich um Sie. Das ist für viele eine ganz neue Erfahrung und es tut unheimlich gut, Zeit für seinen Körper und Zeit für seine seelischen Bedürfnisse zu haben. Diese Zeit sollte man nutzen – wer weiß, ob es wieder einmal Gelegenheit dazu gibt.

© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)

Stand: 25. Oktober 2008