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Was Sie im Umgang mit Medikamenten selbst tun können
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Wir befassen uns hier nicht mit den Nebenwirkungen, die zum Teil erheblich sein können. Diese unerwünschten Wirkungen der Medikamente kann man in den Beipackzetteln der Präparate nachlesen, oder im unserer Beispiel-Liste nachsehen. Wir möchten, dass Sie in Zukunft besser überlegen, ob und warum Sie ein Mittel einnehmen - oder ihren Kindern geben.
Sicher ist es bei vielen Erkrankungen unbedingt erforderlich, trotz aller Bedenken ein Medikament einzusetzen. Wir möchten Ihnen in keinem Fall empfehlen bei einem akuten Migräneanfall die Schmerzen auszuhalten, weil es Bedenken wegen der möglichen Abhängigkeitsentstehung gibt. Ebenso wie es keinen Sinn macht, einem Parkinsonkranken entkrampfende Mittel vorzuenthalten, weil man davon abhängig werden könnte, oder jemand der nur noch eine begrenzte Zeit zu leben hat, diese Zeit unter unerträglichen Schmerzen leiden zu lassen. Es gäbe selbstverständlich unzählige Beispiele für sinnvolle und notwendige Medikamenteneinsätze. Im Gegenteil - hier müssten die unwilligen Verschreibungspraktiken der Ärzte angeprangert werden, die in solchen Fällen, wo es absolut nicht angezeigt ist, auf Abhängigkeitswirkungen achten, und deswegen keine Rezepte nach dem Betäubungsmittelgesetz verordnen, teils aus Angst, teils aus falsch verstandener Berufsethik. Oft sind genau das die Ärzte, die in Ihrer Praxis ohne Bedenken immer wieder Benzodiazepine an Pubertierende und Hausfrauen verschreiben.
Es gibt leider unzählige Beispiele für unnötige, falsch dosierte und falsch eingesetzte Medikamentenverordnungen. Sie als Patient sind allein in der Lage, verantwortlich mit Ihrem Körper und auch mit dem Ihrer Kinder umzugehen.
Das bedeutet: Information ist alles! Was also können Sie tun? Fragen Sie, fragen Sie, fragen Sie....
Wie oft hört man als Antwort auf die Frage: "...und was hast du denn für eine Spritze bekommen...?" nur lapidar "Das weiß ich doch nicht. Ist ja auch egal, Hauptsache es hilft.". Das ist nicht gut!
Erzählen Sie ALLEN Ärzten von ALLEN Medikamenten, die Sie bereits einnehmen - Sie vermeiden, dass Sie bestimmte Mittel doppelt bekommen, vielleicht nur unter anderem Namen. Sie würden ohne dass Sie (oder der Arzt) es wissen die doppelte Dosis einnehmen und das kann nicht gut sein. Viele Mittel haben Nebenwirkungen - zum Beispiel die Erhöhung des Blutdruckes - so dass man nicht noch ein weiteres Mittel mit gleichen Nebenwirkungen oder gar ein Mittel zur Blutdruckerhöhung dazu einnehmen darf.
Fragen Sie nach Mitteln, die aus einem einzigen Wirkstoff bestehen, die Monopräparate. Es ist immer sinnvoller, nicht ein Gemisch von verschiedenen Stoffen einzunehmen. Dadurch, dass die Wechselwirkungen wegfallen, kann man besser feststellen, ob der Stoff auch wirkt. Wenn Sie zum Beispiel ein Kopfschmerzmittel einnehmen, in dem kein Koffein enthalten ist, wirkt der Stoff genauso gut. Wenn Sie sich müde fühlen, dann trinken Sie vielleicht eine Tasse Kaffee. Wenn Sie vielleicht das Vitamin C dazu haben möchten, trinken Sie lieber ein Glas Orangensaft oder machen Sie sich Zitrone an den Tee. Wenn Sie richtig krank sind von Ihrer Erkältung, dann nehmen Sie kein Mittel, wovon Sie topfit werden wollen - wenn Sie krank sind, sind Sie krank und gehören ins Bett und nicht auf den Fußballplatz. Das sieht auch Ihr Hausarzt ein und schreibt Sie für ein paar Tage krank - wenn es erforderlich ist. Denn wenn Sie zu oft eine Erkältung verschleppen, mit Mittelchen unterdrücken, werden Sie früher oder später die Quittung von Ihrem Körper bekommen - Sie bekommen eine richtige Krankheit, weil sich Ihr Körper irgendwie wehren muss. ( Das versteht auch jeder Arbeitgeber.)
Ihr Arbeitgeber wird Sie nicht entlassen - entlassen werden diejenigen Mitarbeiter, die ohne Grund blau machen oder für die Ausübung eines nicht genehmigten Nebenjobs eine Krankschreibung bringen. Sprechen Sie doch einmal mit der Personalstelle, wenn Sie das Gefühl haben, zu häufig krank zu sein oder schon wieder wegen eines Kindes daheim bleiben zu müssen. Sie werden erstaunt sein, über was man alles reden kann. Und vergessen Sie nicht: auch Väter können deshalb mal einen Tag daheim bleiben!
Vorsicht bei Ärzten, die sich naturheilkundliche Behandlungsmethoden in einem oder zwei Wochenendlehrgängen angeeignet haben - das Können dieser Behandler ist nicht dasselbe, als wenn ein Heilpraktiker sich zum Beispiel für mehrere Jahre in einer Schule für Akupunktur oder traditionelle chinesische Medizin oder einer anderen Fachrichtung fortgebildet haben. Fragen Sie, fragen Sie, fragen Sie... Es ist zulässig, wenn Sie fragen, welche Ausbildung auf diesem Gebiet ihr Behandler hat. Wenn er ihnen ausweicht bei der Antwort - seien Sie misstrauisch. Ein Heilpraktiker, der Tausende von Euro in viele Lehrgänge gesteckt hat, weil ihm diese Behandlungsmöglichkeit als "die Heilmethode schlechthin" erscheint, hat in der Regel gute Gründe dafür. Er hat Interesse an der Sache - sie ist ihm wichtig - und er wird Ihnen gern und stolz berichten, was er alles gelernt und gebüffelt hat um Ihnen helfen zu können. Und eines noch: er wird Ihnen erklären können, warum diese Therapie gut für Sie ist und was sie im Körper tut. Aber achten Sie darauf: nur die Berufsbezeichnung Heilpraktiker bedeutet; dieser Mensch hat eine stattliche Prüfung abgelegt. Alle "...Irgendwas-therapeuten" und "....irgendwie-Institute" haben diesen Beruf nicht gelernt, sondern nennen sich nur besonders eindrucksvoll.
Nur der Arzt und der Heilpraktiker haben die stattliche Genehmigung zum Heilen. Für alle anderen Berufsgruppen ist das verboten!!
Bleiben Sie also misstrauisch und stecken Sie kein Geld in solche Behandlungsmethoden.
Und bitte: wenn Sie meinen, den Arzt wechseln zu müssen, weil er Ihnen nicht mehr das gewünschte Mittel verschreiben möchte - überlegen Sie genau, ob das der Beginn einer Abhängigkeit sein kann. Wenn der Arzt Ihnen ein Medikament ausdrücklich nicht verschreiben will - fragen Sie, warum. Vielleicht hat er ja selbst bemerkt, dass er zu häufig etwas verordnet hat, was auf Dauer nicht gut für Sie ist.
Wenn Sie Schwierigkeiten haben, auf dieses Medikament zu verzichten - reden Sie mit dem Arzt. Erklären Sie, was das Fehlen dieses Stoffes mit Ihnen macht. Vielleicht bekommen Sie Angst, vielleicht Schmerzen, oder Sie zittern und fühlen sich hundeelend. Sagen Sie ihm das. Vielleicht müssen Tabletten ausgeschlichen werden, oder es wäre besser für Sie, wenn Sie in eine Kur gingen und dort langsam lernen würden, ohne diese Tabletten zu leben. Er wird feststellen, ob und was getan werden muss. Wenn er nicht auf Sie eingeht - fragen Sie einen anderen Arzt - aber nicht nach einem neuen Rezept, sondern fragen Sie, ob das, was Sie haben, etwas mit Abhängigkeit zu tun haben könnte.
Und wenn es so sein sollte - lassen Sie sich helfen! |
© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)
Stand: 25. Oktober 2008