|
Beruhigungsmittel
werden zur Dämpfung oder Abschwächung
von Erregungszuständen wie z.B. Angst oder Anspannung eingesetzt. Durch diese
Wirkung können sie auch für Durchschlafstörungen Anwendung finden.
Es
handelt sich um sogenannte Benzodiazepine - auch Tranquilizer
genannt, die zu den bekanntesten "Suchtmachern" gehören.
Dies
sind die Mittel, die in Mengen und in Zeiträumen verschrieben werden, in denen
die Entstehung von Sucht quasi vorprogrammiert ist. Eben diese Mittel werden
seit Jahren immer wieder als "blaue Helfer" (in der überwiegenden
Anzahl für Frauen) von Ärzten eingesetzt, um in der Regel Probleme chemisch
aus dem Weg zu räumen und den betroffenen Menschen
"funktionstüchtig" zu erhalten. Die Hausfrau, die von Haushalt und
drei Kindern sowie der pflegebedürftigen Schwiegermutter überlastet ist und
Büroarbeiter/innen, die mit Arbeit zugeflutet werden ebenso, wie den gemobbten
Fabrikarbeiter mit den zwei Kindern und dem Zusatznebenjob, die alle psychosomatische Erkrankungen am
laufenden Band produziert.
Diese
Mittel haben mit Sicherheit ihre Berechtigung im vorübergehenden Einsatz,
sozusagen zur Überbrückung, bis die Ursache der oft zermürbenden psychischen
Krankheitserscheinungen angegangen werden kann. Bedauerlicherweise werden aber
nur selten zusätzliche therapeutische Möglichkeiten ausgeschöpft, so dass
dadurch, dass die Ursache der Beschwerden erhalten bleibt, immer wieder weitere
Tabletten erforderlich werden und dadurch der bekannte Suchtkreislauf beginnt
und sogar die Dosis erhöht werden muss.
Antidepressiva
(psychisch aufhellende Mittel) dagegen führen kaum zur Gewöhnung und damit auch nicht in den Suchtkreislauf.
Sie benötigen einen erheblichen Zeitraum bis zum Beginn der Wirkung, weshalb
sie von den Patienten häufig als überhaupt nicht wirksam empfunden werden.
Immer wieder wird auch versäumt, dem Patienten zu erklären, dass derartige
Medikamente mindestens drei Wochen brauchen, bis die Wirkung eintritt. Und dann
ist es möglich, dass der Patient selbst kaum eine Veränderung spürt und
denkt, es habe sich nichts verändert - oft ist
es die "Umwelt", die die Verhaltensenderungen feststellen kann. Eine
psychische Abhängigkeit ist trotzdem möglich - das Gefühl, ohne dieses
Medikament nicht auskommen zu können, zwingt, es immer wieder einzunehmen. Die
möglichen Nebenwirkungen können erheblich sein.
Neuroleptika
(dämpfende Mittel gegen psychische Erkrankungen) haben ebenfalls nur geringes Suchtpotential - außerdem
finden sie Anwendung bei
psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie oder bei echten Psychosen und
Neurosen. In diesen Fällen gibt es ohnehin keine Alternativen und
diese Mittel sind zur Dämpfung der Verwirrtheitszustände, der Phobien und
Erregungs- und Angstzuständen notwendig. Gelegentlich werden diese Mittel aber falsch, d.h. an psychisch Gesunde verordnet, um eine ähnliche Wirkung wie bei
den Tranquilizern zu erreichen. Die Wirkung lässt hier zu wünschen übrig -
Gesunde sprechen auf diese Mittel nicht an. Dafür sind aber die Nebenwirkungen
erheblich und damit das Risiko unnütz hoch. Neuroleptika sollten daher nicht
ohne triftigen Grund verordnet werden.

Gemeinsam
ist allen diesen Mitteln die Wirkungsweise:
Sie
heben oder dämpfen Gefühle und Empfindungen. Wie diese Wirkung im Körper
genau erreicht wird, ist bis heute noch weitgehend ungeklärt - auf jeden Fall
werden Botenstoffen im Gehirn verändert. Der Transport von Nervensignalen von
Nerv zu Nerv geht elektrisch vonstatten und Botenstoffe müssen ausgeschüttet
werden um die Weiterleitung zu ermöglichen - sie bauen sozusagen
"chemische Brücken" zwischen den Nervenenden. Die Zusammensetzung, die
Konzentration und die Menge dieser Stoffe (Neurotransmitter) wird durch die
eingenommenen Medikamente beeinflusst und dadurch Antriebssteigernde oder
Antriebshemmende Wirkung erzielt, ebenso wie Angstlösende und
Stimmungsaufhellende Wirkung erreicht werden kann.
Eine
Heilung der psychischen Erkrankung wird durch keines dieser Mittel erreicht.
Man
kann lediglich den akuten Verlauf beeinflussen und damit Leidensdruck mildern
oder damit einem Menschen wieder etwas mehr Lebensmut verschaffen, wenn die
Gefühle der Angst und der Spannung etwas nachlassen. Oft ist durch die Einnahme
dieser Mittel erst der Beginn einer Therapie möglich - erst jetzt kann man
wieder durchatmen und nachdenken.
Insoweit
sind dies natürlich hilfreiche Medikamente - problematisch wird es natürlich
an der Stelle, wo es darum geht, die Mittel wieder ab- und dafür
psychotherapeutische Arbeit einzusetzen.
Andererseits
liegt natürlich in der Wirkung der Tabletten eben genau die Verlockung, sich
ein leichteres Lebensgefühl zu verschaffen, die dazu führt sich diese Mittel
wieder und wieder verschreiben zu lassen, mit der Zeit möglichst von
mehreren verschiedenen Ärzten.
Die
meist Nebenwirkungen kann man den einzelnen Beipackzetteln entnehmen oder auf
der Seite Nebenwirkungen
nachlesen.
Was
tun?
Als
Alternativen stehen in den Anfängen der Befindlichkeitsstörungen eine Vielzahl
von pflanzlichen Präparaten zur Verfügung, die durchaus Wirkung zeigen -
Kava-Kava zum Beispiel oder Passionsblume, ebenso wie
Baldrian-Hopfen-Präparate. Man sollte darauf achten, dass in den frei
verkäuflichen Präparaten nicht chemische Zusatzstoffe enthalten sind, die u.U.
selbst abhängig machen können.
Allerdings
können auch die pflanzlichen Mittel natürlich unmöglich die Ursache der
psychischen Probleme beseitigen - eine Therapie ist unbedingt erforderlich.
Diese Erkenntnis sollte eigentlich vom behandelnden Arzt kommen, aber man sollte
schon auf sich selbst achten - und vielleicht selbst auf eine Therapie bestehen.
Das hat nichts damit zu tun, dass man sich selbst oder andere einen für
"verrückt" halten - diese Sichtweise ist hoffentlich seit Jahren
überholt. Aber allein der Umstand nicht gut schlafen zu können, kann einem
Menschen mit der Zeit eine Vielzahl von Erkrankungen bescheren, die alle keine
eigentliche körperliche Ursache haben - psychosomatische Erkrankungen.
Lesen
Sie evtl. hierzu folgendes Buch wenn Sie auf Dauer schwerere Mittel verordnet bekommen
und es versuchen
möchten, damit aufzuhören.
Nach
der Ansicht des Autors Peter Lehmann gibt es einen Weg heraus aus dem Kreislauf
der Medikamenteneinnahme - wir hoffen und wünschen allen, die sich mutig auf
diesen Weg begeben wollen, einen verständnisvollen begleitenden Arzt und alles
Glück dieser Welt!
Aber
versuchen Sie es NICHT allein!
|