Navigation fehlt links? Index nachladen
in abhängigkeitsbelasteten Familien
|
Wir
wissen, jeder Mensch ist anders als andere Menschen. Das
gilt selbstverständlich auch und gerade für Geschwister. Anscheinend
gibt es aber bestimmte „Grundmuster“, die auf ganze Personenkreise
zutreffen, bestimmte Verhaltensweisen, die sich immer wieder an
Betroffenen, in unserem Fall in Familien mit abhängigkeitskranken
Eltern/teilen, feststellen lassen. Dies
ist ja auch der Grund, weshalb man in Selbsthilfegruppen so häufig an
anderen Personen „sich selbst sieht“ und häufig an dem Beispiel
anderer Personen erst verstehen lernt, weshalb man so, wie man ist,
geworden ist. Um
in einer Gemeinschaft überleben zu können, muss ein Mensch sich bis zu
einem gewissen Grad anpassen. Eine Familie ist so ein Gemeinschaft, in der
sich jeder an bestimmte Rollen und Regeln hält, die meist unausgesprochen
für jede Person festgelegt sind. Für
die verschiedenen Rollen, die ein Kind in einer Familie übernimmt, ist
anscheinend oft von der Reihenfolge abhängig, wie die Kinder zur Welt
kommen: In verschiedenen Untersuchungen wurde festgestellt, |
|
oder
auch – der Manager – übernimmt die Pflichten und Aufgaben eines
Erwachsenen, ist überverantwortlich, verlangt überaus viel von sich
selbst und hat deshalb Probleme, den eigenen Anforderungen gerecht zu
werden (Ängste und Schuldgefühle sind die Folge, unter Umständen auch
Depressionen und können kaum Spaß haben), es wird später ein
„helfender Beruf“ ergriffen und diesen „Zustand“ weiter erhalten
zu können, und können nicht damit umgehen, wenn sie ohne Verantwortung,
ohne Aufgabe sind – denn sie fühlen sich dann wertlos
da
die Hauptaufmerksamkeit der Familie auf dem ersten Kind liegt, versucht
das zweitgeborene durch Entgegengesetztes Verhalten einen teil dieser
Aufmerksamkeit zu erlangen – es bringt durch unverantwortliches,
anscheinend gleichgültiges Verhalten immer wieder Schwierigkeiten und
fühlt sich als Versager, es lenkt aber durch sein schwieriges verhalten
vom eigentlichen Übel (dem Alkohol) sehr erfolgreich ab, es wird oft
sogar als „Ursache“ für das Trinken angesehen, es ist später selbst
sehr suchtmittelgefährdet, denn es ist unter der Oberfläche einsam und
hat ständig Angst, abgelehnt zu werden.
um
nicht aufzufallen, versucht es ständig „unsichtbar“ zu sein und nicht
zu widersprechen, es hat keine eigene Meinung, ist still und schüchtern,
seine Welt ist der Tagtraum und es vermeidet um jeden Preis
Auseinandersetzungen und Konflikte. Es wird immer das Gefühl haben,
irgendwie anders zu sein, kann Gefühle schlecht ausdrücken und nur
schwer auf andere eingehen. |
|
immer
zu „kaspern“ lenkt andere vom eigentlichen Missstand ab und verschafft
dem Kind selbst Aufmerksamkeit. Allerdings wird es auch nicht ganz für
voll genommen und ist oft nicht informiert über wichtige Dinge, oft wird
auch wie mit einem Dauer-Baby gesprochen, es ist ja auch das Kleinste. Es
Es
wurden darüber hinaus noch zusätzliche Varianten festgestellt:
Dieses
Kind ist einfühlsam, verständnisvoll, ein guter Zuhörer, pflegt häufig
möglichst nur dann Kontakt zu anderen Menschen, wenn es gebraucht wird,
denn es verwandelt sein Verhalten entsprechend der jeweiligen Situation.
Es ist besonders angepasst an die jeweiligen Erfordernisse, will anderen
alles recht machen, brauchen es, dass andere gut über sie reden und
denken, wollen mehr als andere Menschen gebraucht werden, äußern selten
eine eigene Meinung, können aber gut vermitteln oder andere beraten.
fließt
eigentlich in andere Rollen ein, ist aber manchmal besonders stark
ausgeprägt. Das Kind hat all seine Gefühle unter Kontrolle, ist sehr
beherrscht, und überdenkt sein Verhalten vorher gründlich und ist
überaus selbstkritisch. Häufig werden Gefühle verleugnet, die es
eigentlich haben müsste, oder sie werden „weggedacht“, dadurch wirkt
das Kind erwachsener, als es ist. Später einmal hat das Kind vermutlich
den Eindruck, eigentlich nie wirklich ein Kind gewesen zu sein.
hat sich gefühlsmäßig so weit abgegrenzt, dass es möglich ist, alles wie als Außenstehender aus der Distanz zu betrachten – das ist praktisch, denn als Außenstehender kann man nicht verletzt werden. Allerdings lernt man auf diese Weise nicht, wie man Probleme lösen kann – alles ist entweder gut oder schlecht, schwarz oder weiß. Am Besten geht man Problemen einfach aus dem Weg – diese Kinder wirken oft auf andere, als hätten sie keinen Schaden aus der Kindheit in einer suchtbelasteten Familie davongetragen. |
|
Es gibt die Kinder, die die Verleugnung der Abhängigkeit des Elternteiles nicht mit vollziehen, die ganz klar sehen, was in der Familie passiert. Dieses Kind erkennt darin ein Problem, das nicht vertuscht, sondern angepackt werden muss. Es ist in der Lage, von sich aus Veränderungen einzuleiten und kann so den Druck abbauen, eine Voraussetzung um später einmal ein gesundes eigenes Leben zu führen. Die
Rollen mischen sich untereinander. Sie
sind unterschiedlich stark ausgeprägt. Es gibt kein festes Schema und keine feststehende Einteilung.
Viele
Faktoren spielen dabei eine entscheidende Rolle, wie zum Beispiel:
Durch die vielen Faktoren ist nie vorauszusehen, wie ein Kind als Erwachsener fühlen und deshalb handeln wird. Immer können solche „Untersuchungen“ und Befragungen von Betroffenen nur einen Rahmen für die Beurteilung des einzelnen Menschen bieten. Jeder Mensch kann nur für sich selbst herausfinden, was mit ihm passiert ist, und warum. |
© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)
Stand: 25. Oktober 2008