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Was kann man tun als Kind?

zweite Seite

Stell Dir vor:

Wenn er/sie Zahnschmerzen hätte, ihr wärt auf einer einsamen Insel, kein Zahnarzt weit und breit, Backe dick, alles vereitert, Fieber, Blutvergiftung – dann müsste der Zahn raus, damit der Eiter ablaufen kann und er/sie nicht dran stirbt. 

Und ich bin sicher, es wäre schlimm für Euch, aber ihr würdet ihn festbinden, damit er sich nicht wehren kann und diesen verdammten Zahn ziehen, mit der Wasserpumpenzange, wenn sonst nichts da wäre. Schmerzen, Blut, Geschrei und Aufregung, aber – gerettet. 

Man kann doch in einer Situation, die für einen Kranken schmerzhaft aber lebensnotwendig ist, nicht sagen: "ich kann ihm nicht weh tun" und ihm dann beim Sterben die Hand halten. 

Man muss doch was machen! Man muss das tun, was am wahrscheinlichsten hilft.

 

So ist das hier auch.

Was getan werden muss, muss eben getan werden, wenn jemand gesund werden soll.

Auch wenn es nicht einfach ist.

 

Es gibt so viele Möglichkeiten, den Papa oder die Mama aufzurütteln, in dem man nichts tut. 

Denn das ist, was er/sie bemerkt.

Als Beispiel: Wenn ihm jeden Tag einer beim Ausziehen hilft, tut es nicht mehr. Dann wird es ihm spätestens am nächsten Morgen auffallen, wenn er noch angezogen ist. Vielleicht ist er auch noch dreckig, weil er hingefallen ist – das wird ihn wundern. 

Das fällt ihm auf.

Man soll es auch nicht erklären, warum man das getan hat, oder eben etwas NICHT getan hat.

Wenn er nüchtern ist, und nur dann, kann man auf die Frage, wenn sie denn kommt, vielleicht sagen – <<Das stimmt, aber wir sind alle nicht mehr bereit, für Deine Trinkerei mitzuarbeiten.

Wir glauben, Du bist krank, alkoholkrank. Dafür kann man nicht.

So etwas kann passieren, das wissen wir. 

Das kann jedem passieren, vielleicht auch mir später mal. 

Auch, oder gerade WEIL Du meinst, es wäre nichts so, machst Du diesen Eindruck auf uns.

Es wird immer mehr und immer öfter, dass Du betrunken heimkommst.

Man kann krank werden, dagegen kann man nichts machen. 

Auch alkoholkrank kann man einfach so werden.

Aber etwas daran ändern muss man selbst.

Wir hoffen, Du willst es ändern, auch wenn es schwer wird.

Das macht uns große Sorgen.

Wir haben Angst um Dich und würden Dir gern dabei helfen.

Das geht aber nicht, denn aufhören zu trinken musst Du selbst.

Das können wir nicht für Dich tun.

Wenn Du vielleicht noch einmal versuchen willst, damit aufzuhören, und dann feststellst, dass es nicht klappt, dann bitten wir Dich, zu einem Arzt zu gehen und darüber mit ihm zu sprechen.

Wenn Du ehrlich zu ihm bist, wird er Dir sagen, wie es aussieht.

Wir müssen unsere Familie zusammenhalten.

Dein Trinken macht die Familie kaputt. Es macht jeden von uns kaputt.

Das wollen wir nicht.

Wir lassen Dich weiter trinken, wenn es Dein Wille ist, weiter trinken zu können.

Bierdosen.Aber wir werden alle unserer eigenen Wege gehen und Du musst für alles, was schief läuft durch Dein Trinken selbst die Verantwortung übernehmen.

Sieh selbst zu, dass Du nicht verschläfst.

Wenn Du nicht arbeiten kannst, ruf selbst an.

Wir können Dir nicht weiter helfen.

Wir müssen für uns selbst sorgen, denn wir wollen später nicht auch krank werden. 

Es liegt in Deiner Hand, was aus uns und aus Dir werden wird.Pfeil hoch

Wir hoffen, dass Du jetzt etwas unternehmen wirst.>>

So oder so ähnlich kann man die Sorge, die man hat, formulieren.

Kein Vater oder keine Mutter wird davon unbeeindruckt bleiben.

Wenn er oder sie aufhören KANN, wird es so funktionieren.

Wenn die Krankheit schon weit fortgeschritten ist, dann ist es natürlich schwerer, bis in sein oder ihr Innerstes einzudringen. Denn darin sitzt dann der Alkohol und versucht, alles was ihn behindert, nicht hinein zu lassen. 

Der Alkohol blockiert die guten Seiten nach und nach immer mehr. Der ganze Mensch wird sich immer weiter verändern, und er wird immer kranker werden, bis er nichts mehr essen kann. 

Nur noch trinken.

 

Und jetzt kommt es darauf an:

Jetzt müssen sich aber alle einig sein.

Dann darf keiner wieder „rückfällig“ werden und Papa oder Mama wieder alles nachtragen, wieder alles durchgehen lassen, wieder alle alles tun, damit das Trinken bequem ist und nichts dabei stört.

Im Gegenteil, es soll ja schwierig werden.

Dann müssen die anderen wirklich etwas für sich selbst tun, einen Kurs besuchen vielleicht oder sich einen Job suchen um Geld für sich selbst zu verdienen, sich um den eigenen Kram kümmern, und müssen Geduld aufbringen. Sich beschäftigen und aufhören, dauernd an den Kranken zu denken.

Abwarten und Geduld aufbringen.

Versuchen, ruhig anzusehen wann und ob die Botschaft angekommen ist.

Man sieht ja, ob sich jemand bemüht.

Dabei immer ruhig und freundlich bleiben - nicht vergessen: der Mensch ist krank!

 

Aber jetzt nicht bei dem kleinsten „Erfolg“ wieder in das andere Extrem zurückfallen.

Ohne Therapie, ohne Arzt, so ganz allein alles ändern klappt in der Regel nicht und soll nur Zeit gewinnen. In dieser Zeit wird dann vielleicht heimlich und wenig getrunken. 

Man glaubt, es ist alles besser, dabei ist nur alles gebremst. 

Also nicht zu schnell an das Wunder glauben.

Pfeil hoch

Und „weniger trinken“ oder „nur ein Bier am Abend“ oder „nur am Wochenende“, oder so eine ähnliche Regelung, das funktioniert erst recht nicht. Dann folgt meist ein Riesenabsturz und alles ist schlimmer als vorher. 

So ist eben diese Krankheit.

 

Dieses  (in gewisser Weise) "links liegen lassen" ist schwierig zu bewerkstelligen.

Vielleicht hat der andere Elternteil besondere Probleme damit.

Es ist, wie schon gesagt, schwieriger, als alle anderen vorher probierten Hilfsversuche.

Es klingt ja vielleicht so, als wäre das alles Blödsinn, aber es hilft in den allermeisten Fällen – wenn alle zusammenhalten.

Es ist ja nicht, um dem Papa oder der Mama wehzutun oder weil man ihn nicht mehr gern hat.

Sondern im Gegenteil, WEIL man ihn gern hat.

Weil man als „nüchternes“ Familienmitglied doch besser denken kann, als wenn man krank ist. 

Weil die anderen als einzige Pläne machen und in die Tat umsetzen können. 

Ein Alkoholkranker kann das ja nicht.

Also muss es jemand tun – sonst tut niemand was, und alles geht so weiter.

 

Wir hoffen, dass alle mitmachen.

Toll wäre es, wenn außerdem auch noch der Arzt und der Chef mitmachen würden.

So bald Entlassung droht, körperliche Schäden auftreten und dann auch noch die Familie nicht mehr unterstützt, auffängt, deckt und hilft, muss ein alkoholkranker Mensch reagieren.

Vorher muss er nichts.

Nur trinken.

Dann ist das Leben für ihn einfach.

Auch, wenn er jammert und weint, weil er das nicht so einfach in den Griff kriegt.

So wie der nächste Schluck auf dem Weg nach unten ist, geht es ihm wieder besser..

© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)

Stand: 25. Oktober 2008