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Was ist Liebe...
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Warum ist das oft so, dass man mit Schmerz und Verzweiflung einfacher umgehen kann, als mit Glück? Einfach glücklich sein, nicht grübeln, Ordnung und Geborgenheit, das hält sich nicht lange. Es ist irgendwie anstrengender
und auf die eine oder andere Weise sorgen wir selbst dafür, dass das Glück
wieder einen Knacks bekommt. Ist dann das Gefühl und die Stimmung wieder da, die man
von der Kindheit her kennt?
Warum ist das so, dass uns eine Liebe umso heftiger erscheint, je stärker wir darum kämpfen müssen?
Haben wir schon immer um jedes bisschen Liebe kämpfen müssen
und kennen wir das Gefühl der wilden Entschlossenheit, dieses Bisschen zu
erzwingen?
Warum ist das so, dass wir uns so intensiv um andere kümmern
und auf uns selbst keine Rücksicht nehmen.? Alles und Alle sind wichtiger
als wir selbst, wir hören und sehen schon, was jemand brauchen KÖNNTE,
und wir tun es, ohne dass wir gefragt werden. Wir sind froh, für jemand
etwas tun zu können. Wenn jemand etwas für uns tun möchte oder uns
lobt, fühlen wir uns unbehaglich, als würde man sich über uns lustig
machen. Ist das, weil wir schon immer viel dafür tun mussten, um
überhaupt ein wenig anerkannt zu werden, denn wenn wir das alles
besonders gut machen, muss man uns doch einfach gern haben – und weil
wir schon immer überreagierten in unserer „Dienstbeflissenheit“ und
dabei unsere eigenen Gefühle und Bedürfnisse verschwinden lassen
durften? ...denn sie taten weh... Ist das Liebe? ...wenn man ein glücklicher Mensch ist, weil es heute
keinen Ärger gegeben hat... und denkt <<er/sie ist aber eigentlich gar nicht so...>> ...wenn man diesen Menschen pausenlos vor sich selbst beschützen
muss, wenn man
andere vor ihm schützen muss ... <<aber er meint das eigentlich gar
nicht so...>> ...wenn man lügen muss, damit der Betroffene keinen Ärger
bekommt... und denkt, es muss ja
einer tun, ich muss für ihn sorgen... ...wenn man sich beleidigen und erniedrigen lässt... und
dabei denkt er/sie kann ja
nichts
dafür und es ist ja nicht so gemeint... ...wenn man es irgendwie aufregend findet, dass die Beziehung mal heiß und Minuten
später eiskalt ist... ...wenn man gesagt bekommt, er sei halt kein
Familienmensch, auf die Frage, warum er
einen selbst und die Kinder immer ignoriert...<< er kennt es halt
nicht anders...>> ...wenn man nie so genau weiß <<liebt er/sie mich
vielleicht doch... oder nicht??>>
und
denkt <<ich würde jemand den ich liebe, nicht so behandeln>> ...wenn man den alltäglichen Schmerz nicht mehr wirklich
spürt, weil man die Wirklichkeit
nicht mehr richtig sieht... <<ich hab mich schon daran gewöhnt und
ich brauch
ja nicht viel...>> ...wenn man jeden Tag um Anerkennung kämpft... und hofft,
er/sie muss doch endlich mal
sehen, was ich alles für ihn/sie tue... ...wenn man sich immer und immer wieder anstrengt, um
Aufmerksamkeit, ein wenig Lob
oder Liebe bekommen zu können... und denkt, wenn ich mich mehr als alle anderen
bemühe und immer alles gut mache, dann MUSS er/sie mich doch lieben... ...wenn man schlimmes Verhalten vor anderen Menschen
vertuscht oder sogar verteidigt...
weil
man nicht zulassen will, dass jemand sagt <<wieso lässt du das mit dir
machen>> ...wenn man zwischen überglücklich und total depressiv
hin und hergerissen wird, weil
man nie weiß, wie er/sie reagiert... weil man hilflos den Launen
ausgeliefert ist ...wenn man so unendlich dankbar für die paar glücklichen
Momente ist und in dieser kurzen
Zeitspanne bis zur nächsten Enttäuschung vergessen kann, wie sehr man gestern
erniedrigt worden ist... <<...ich sag doch immer, in ihm steckt ein
toller Mann...>> WAS IST DAS, was man da empfindet. Was ist das für ein Gefühl? Soll so Liebe sein? WAS IST DAS, was da blitzartig in uns aufsteigt, wenn man
ernsthaft über eine Trennung nachdenkt. Panische Reaktionen, Angst und
Hilflosigkeit – ist das Liebe? Wenn wir einmal tatsächlich getrennt sind, ist dieses zermürbende,
quälende Gefühl in uns denn Liebe? Wie ist denn Liebe? Haben wir als Kind „Liebe gelernt“? Wer kann uns einmal genau erklären, wie sich Liebe anfühlt?
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Wie kann man wissen, was Liebe ist, wenn das, was man als
die Empfindung von Liebe gelernt hat, sich genau so anfühlte, wie der
Aufruhr im Bauch von heute? Hat man uns etwas Falsches beigebracht? Ist für uns Liebe nur dann Liebe, wenn sie irgendwie
wehtut, wir immerzu um sie kämpfen müssen, wenn man von einer Aufregung
in die nächste fällt, wenn immer Zweifel da sind, wiedergeliebt zu
werden, wenn wir immerzu in Aufruhr sind, weil wir es von Anfang an so
gelernt haben? Oder warum bleiben so viele Menschen, besonders Frauen, in
Beziehungen, die nachweislich schlecht für sie sind? Warum schaffen diese Frauen es nicht, für sich selbst und
auch für die Kinder eine eigene und unabhängige Welt zu schaffen, die
trotz vielleicht notwendiger Einschränkungen doch tausendmal besser sein
wird, als das, was sie jetzt erleben? Wieso halten diese Menschen die Hölle aus, und glauben
doch fest daran, dass das, was sie fühlen, Liebe ist? WIESO? Wenn das chaotische Durcheinander aus Gefühlen das ist,
was man als Kind als Liebe empfunden, als Liebe gelernt, hat – dann ist
genau dieses chaotische Durcheinander aus Gefühlen unser Gefühl von
„Zuhause“. Das Gefühl von „Zuhause“ ist es doch, was wir alle in
unserer Beziehung zu einem (Lebens) Partner suchen. Also fühle ich mich dann am Wohlsten in einer Beziehung
mit einem Partner, der mir ein Gefühl von „Zuhause“ vermittelt. Dieses Zuhause muss also auf die eine oder andere Weise
solche Gefühle auslösen, wie wir es kennen. Da bietet sich doch zu allererst ein Partner an, der selbst ein Abhängigkeitsproblem hat. Dort „dürfen“ wir relativ schnell fühlen,
was wir kennen. Wir verlieben uns also dann am Ehesten, wenn wir diese Ähnlichkeiten
fühlen. Wie soll das gut gehen? |
© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)
Stand: 25. Oktober 2008