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Das ganze Leben besteht aus Stress...
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Kinder von Abhängigen
wissen oft selbst lange Zeit nicht,
dass sie in ihrer Kindheit Schaden an der Seele genommen haben. Meist wird
ihnen erst klar, dass etwas nicht stimmt, wenn sie über 25 sind und
vielleicht selbst eine eigene Familie haben. Einige sind bis zu diesem
Zeitpunkt selbst abhängig geworden und bemerken jetzt, dass sie ihr Leben
doch nicht so im Griff haben, wie sie dachten. Und viele stellen fest, dass sie – entgegen ihrer
Absichten – ein ähnliches Leben führen, wie die Eltern. Das wollten
sie doch um jeden Preis vermeiden. Aber die Vergangenheit holt sie ein. Was ist in der Kindheit passiert?
Kinder haben gelernt, nicht alles
zu sagen, was wahr ist. Ihre Wahrheit ist oft eine andere,
eine eigene Wahrheit Manchmal haben sie gelernt, nicht
mehr zu wissen, was wahr ist und was erfunden. Sie haben auch verlernt, ein Kind zu sein. Kinder von Abhängigen sind den blitzschnell wechselnden
Gefühlen und Launen der Eltern ausgeliefert. Nie wissen sie, was im nächsten
Moment passiert. Gibt es Krach oder Liebe, Desinteresse oder Hiebe. Solch ein Leben bedeutet
Dauerstress. Dauerstress überfordert die Seele
und den Körper. Überforderung macht krank. Die Kontrolle über das eigene Leben
haben sie nie gehabt. Jeder Tag, jede Stunde war
Dazu gehört, Menschen geschickt zu manipulieren. Dazu gehört, niemandem wirklich zu vertrauen. Dazu gehört, sich nicht in die Karten blicken zu lassen. Dazu gehört, vorausschauend zu sein. Dazu gehört, Dinge zu tun, von denen andere noch gar nicht
wissen, dass sie getan werden müssen. Dazu gehört, ungefragt für andere zu handeln. Dazu gehört, unaufhörlich dafür zu arbeiten, dass alles
läuft. Einen Teil dieser Attribute kann man zusammenfassend auch
als „fürsorglich“ beschreiben. Fürsorge und Hilfeleistung für andere sind ihre große Stärke. Und das sind dann meist auch die Berufe, die von solchen
Menschen ergriffen werden. Darunter finden sich die „hilflosen Helfer“, von denen
man so oft liest. Es sind Menschen, die ihr ganzes Denken und Sein auf andere
ausrichten. Menschen, die sich selbst vernachlässigen, und nur für
andere die ganze Aufmerksamkeit aufbringen. Es werden perfekte Partner für Suchtkranke. Es sind perfekte Co-Alkoholiker. Sie entwickeln meist ein „Helfersyndrom“. Und der Anteil derjenigen Kinder aus suchtbelasteten
Familien, die sich selbst in einer Partnerschaft wieder finden, in der der
Partner entweder abhängig ist oder ein anderes „hilfloses Wesen“,
dass behütet und versorgt werden muss, ist sehr hoch. Selbst wenn solche Partnerschaften auseinander gehen, wird man es fast immer erleben, dass der nächste Partner wieder dieselben Grundzüge aufweist - ein Kreislauf, aus dem schwer auszubrechen ist. |
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Selbst
dann, wenn einem klar ist, dass man dieses Problem hat und man versucht,
daran etwas zu ändern. Kinder müssen sich gefühlsmäßig vor der immer wiederkehrenden Hoffnungszerstörung schützen.
Kein Mensch kann die nicht enden wollende Anzahl von Enttäuschungen überstehen, wenn er sich nicht abhärtet dagegen. Diese kleinen unfreiwilligen Erwachsenen müssen resignieren, denn das Vertrauen, dass sie jedes mal in den Abhängigen und auch gegenüber dem "gesunden" Elternteil haben, wird doch immer wieder enttäuscht. Und doch - trotz aller scheinbarer Härte und Gleichgültigkeit, die manchmal nach außen gezeigt wird, keimt immer wieder ein kleines Stückchen Hoffnung in einem geheimen Winkel auf – und Schmerz auf Schmerz muss ausgehalten werden, wenn die Versprechen wieder nicht gehalten werden. Man kann sich nur dadurch vor der immer wieder kehrenden Verletzung schützen, in dem man lernt, eigene Gefühle zu unterdrücken. Diese Gefühle werden so weit weggeschoben, dass die Verbindung zu ihnen im Laufe der Jahre abreißt. Sie fühlen sich innerlich tot – Frauen mehr als Männer, denn Männer setzen sich häufig nicht mit ihren vorhandenen oder eben nicht vorhandenen Gefühlen auseinander – oft werden sie selbst abhängig um gerade das nicht zu müssen.
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Kinder
von Abhängigen können extreme Situationen gut aushalten und sind damit für
„Krisenmanagement“ bestens geeignet. Der
nicht abhängige Elternteil macht häufig mehr Schwierigkeiten für
die Kinder als
der
Der einzige
Mensch, von dem man Schutz und Solidarität erwarten könnte, ist zu
kraftlos, zu genervt und zu beschäftigt, um das Kind überhaupt
wahrzunehmen. So bald aber die abhängige Person den Kindern vermeintlich
liebevolle Aufmerksamkeit angedeihen lässt, regt sich Hass, Eifersucht
und Wut – ein Kampfplatz beider Eltern. Der nicht abhängige
Elternteil fühlt sich hintergangen und ausgetrickst.
Der Leidtragende ist aber das Kind, dass von niemandem genügend Liebe und Geborgenheit bekommt. Das wird allerdings vor lauter Stress und
Anstrengung nicht bemerkt, oder das Kind wird sogar noch gezwungen, Partei
gegen den Abhängigen zu beziehen – eine erschreckende Zwickmühle. Wenn jeder der Eltern in klaren Momenten versucht, das Kind auf die eigene Seite zu ziehen und Entschuldigungen für das eigene Verhalten als Erklärung für den Lauf der Dinge zu vermitteln sucht, muss das Kind sich wie ein Verräter fühlen – denn lieb haben tut es ja beide. Ja mehr noch, es brauchte mehr Liebe als jedes andere Kind – doch es wird benutzt und manipuliert, wie ein Erwachsener. Und es ist doch ein Kind, in seinem Denken und Fühlen ein Kind, und nicht ein Verbündeter, ein Kumpan gegen den anderen. Aber das wird nicht realisiert.
Wie sollte ein Mensch diese vielfältigen Verletzungen unbeschadet
überstehen können? Das Familienleben bedeutet unter Umständen mehr Stress, als ein 8-Stunden-Arbeitstag.
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© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)
Stand: 25. Oktober 2008