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Verletzte Kinderseelen...

Erwachsene, die in der Kindheit gefühlsmäßig sehr verletzt worden sind, haben später im Leben meist Probleme in der eigenen Partnerschaft.

 

Die Verletzungen müssen nicht durch ein abhängiges Elternteil geschehen sein – auch ohne Alkohol oder andere Drogen haben manche Menschen eine schwierige Kindheit ertragen müssen. Wir möchten aber hier etwas näher auf den Alkohol eingehen. Trotzdem gelten die Betrachtungen auch für jede andere Person, die an sich ähnliche Verhaltensmuster kennen gelernt hat.

 

Es kommt auch nicht darauf an, ob man bei nachträglicher Betrachtung zu dem Schluss kommt: soo schlimm war es ja auch wieder nicht – wir hatten ja auch schöne Zeiten. 

Es kommt darauf an, was die betreffende Person damals GEFÜHLT hat.  

verletztes Kind Selbst wenn alle anderen Familienmitglieder die Sache anders sehen – es kommt auf die eigene Empfindung an, auf nichts anderes sonst. Dinge, die für Sie erniedrigend oder peinlich waren, könnten für andere Personen als "halb so schlimm" abgetan werden. Darauf brauchen Sie nichts geben, denn in Ihrer Haut hat niemand anderes gesteckt. Heute, nachträglich betrachtet, mag die eine oder andere Reaktion von Ihnen als übertrieben erscheinen - aber damals war es genau, was Sie empfanden. Und darauf kommt es an.

 

Es ist wichtig für das ganze spätere Leben, zu erkennen, welche gefühlsmäßigen Ausweichtaktiken man damals in der Kindheit genauso erlernt hat, wie damals das Naseputzen, das Anziehen und das Schuhe zubinden. All diese Dinge tun wir heute nicht mit Überlegung, sondern automatisch. Wer immer wieder ausgelacht wird, der lernt zum Beispiel, besser den Mund zu halten, damit er keinen Anlass dafür gibt, sich evtl. lächerlich zu machen. Das tut man dann im späteren Leben unbewusst bei passenden und bei vielen unpassenden Gelegenheiten, und wie aus einem Reflex heraus. Es sich wieder abzugewöhnen ist dann schwer.

 

Eine große Anzahl von psychischen Problemen und den oft daraus resultierenden psychosomatischen Erkrankungen ist nicht allein darauf zurückzuführen, dass ein Kind in einer Familie aufgewachsen ist, in der es einen oder mehrere Abhängige gab.

Nicht alles können wir also auf unsere Erziehung beziehen – wenn auch wahrscheinlich ein gewisses Grundmuster dadurch entstanden ist.

So können als Beispiel Schwierigkeiten mit dem Selbstwertgefühl bei einer großen Anzahl von Menschen einfach durch verschiedene Umstände und vielleicht auch aus einer Art Veranlagung heraus entstanden sein.

Es ist bekannt, dass Menschen, die mit viel Liebe und Konsequenz geradlinig und mit dem Aufzeigen von Grenzen erzogen wurden, später im Leben in der Regel die wenigsten psychischen Störungen haben.

Es ist auch bekannt, dass man nur dann einfach genießen kann, dass man geliebt wird und nur dann in gleichem Maße selbst einen anderen Menschen lieben kann, wenn man sich selbst für liebenswert hält.

Das sind jedoch alles Dinge, die in den meisten Abhängigen-Familien nicht vermittelt werden können.

 

Es gibt trotzdem Kinder, die schon früh einen innerlichen Abstand zu der Situation einer Familie um einen abhängigen Elternteil gewinnen konnten, und sich emotionell und manchmal auch tatsächlich von der Familie lösen konnten. Meist haben sie außerhalb der Familie andere Vorbilder, sozusagen ein „Kontrastprogramm“, gefunden. Sie gehen relativ unbeschadet aus ihrer Kindheit in ein selbstständiges Erwachsenenleben über, während Geschwister von ihnen meist hilflos zurückbleiben. Warum das so ist, warum sich dann nicht alle Kinder gegen die belastende Situation zur Wehr setzen konnten, bleibt weiter unbekannt.

Es muss also in jedem Kind eine Veranlagung vorhanden sein, wie es sich selbst empfindet, was es sich selbst zutraut, was es bereits in ganz jungen Jahren in die Tat umzusetzenPfeil hoch vermag.

Wenn Veranlagung und „Erziehung“ zusammentreffen, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert.

 

Jeder Mensch ist anders als andere Menschen.

Jede Familiensituation ist anders als andere.

Jede Veranlagung ist unterschiedlich ausgebildet.

Jede Erziehung unterscheidet sich von anderen.

Millionen verschiedener Leben ergeben viele Milliarden Möglichkeiten damit umzugehen, damit fertig zu werden, daraus zu lernen.

Folglich kann man nicht einfach für die Allgemeinheit festlegen, dass diese oder jene Erkrankung auf die Kindheit zurückzuführen sein muss.

Man kann nicht sagen, das diese oder jene psychische Problematik durch Erziehungsfehler zustande gekommen sein muss.

In jedem Einzelfall müssen mit Hilfe und durch Mitarbeit des Betroffenen die Fakten geklärt werden – wie in einem persönlichen Krimi.

Ein Mensch reagiert zum Beispiel auf bestimmte Situationen, in dem er sich als Clown für die Familie aufführt – das hilft ihm vielleicht, die Dinge zu entschärfen.

Ein anderer Mensch zieht sich vielleicht ganz zurück, spricht wenig und versucht so, sich „unsichtbar“ zu machen.

Wieder ein Anderer wird der „große Macher“, weil er sich wohler fühlt, wenn er versuchen kann, aktiv etwas zu tun.

Noch ein weiterer Mensch wird vielleicht immer wieder krank und sorgt auf diese Weise für eine gewisse Portion Aufmerksamkeit.

Oder Einer wird immer wieder straffällig oder gilt als „schwer erziehbar“ – das ist vielleicht sein persönliche Art, für Aufmerksamkeit der Anderen zu sorgen.

Aber alle handeln NICHT BEWUSST.

Sie wissen nicht, dass sie auf die Kindheit reagieren.

Das merken sie in der Regel erst, wenn sie einmal über 25 sind.

Und selbst dann verdrängen sie es vielleicht oder sehen den Zusammenhang nicht.

 

Denn VERDRÄNGUNG von Gefühlen ist allen gemeinsam.

Verdrängung führt zu Angstanfällen, oder zu Hauterkrankungen, zu Magen- oder Darmbeschwerden, zu Panikattacken, zu Rückenschmerzen, zu Essstörungen, zu Herzproblemen, zu sexuellen Schwierigkeiten, zu Depressionen, überschießender Gefühlswelt, zu Asthma, auch zu Gefühlsarmut, pausenlosen Infektionserkrankungen oder zu einer der vielen anderen psychosomatischen Erkrankungen, die in großer Zahl zu finden sind.

( Psycho-, von der Seele, -somatisch, auf den Körper wirkend.)

Pfeil hoch 

Ein Verdrängungsmechanismus läuft unbewusst und automatisch ab.

Deshalb kann man diese Gefühle selbst oft nicht bemerken.

Außer, man bemüht sich darum.

Um sich aber darum zu bemühen, muss einem zunächst einmal auffallen, dass etwas nicht stimmt.

Man muss auch bereit sein, plötzlich wieder unangenehme Gefühle, meist mit ungeahnter Intensität zuzulassen und zu empfinden und auszuhalten.

Unser Unterbewusstsein wehrt sich gegen solche Vorhaben.

Es blockiert das Hervorkramen alter Gefühle.

Das ist schwer und es tut unter Umständen sehr weh.

Und das ist häufig der Grund, warum Therapien abgebrochen werden.

Allerdings benötigt man in der Regel Hilfe für solche Aufarbeitungen.

Es liegt ja in der Natur der Sache, dass wir selbst kaum wissen können, ob immer noch unterdrückte Gefühle in uns liegen – wir bemerken ja nicht, dass da noch etwas unterdrückt und verdrängt wird.

Das Erkennen aber: <<ich weiß, warum ich auf dies oder das HEUTE so reagiere, denn ich habe es damals so gelernt>> ist Bedingung, für das Heute etwas zu ändern.

In jedem Fall aber sollten wir nicht versuchen, all unsere psychischen Probleme auf unsere schwere Kindheit abzuwälzen. Möglicherweise hätten wir diese oder ähnliche Probleme auch dann, wenn wir in einer nicht suchtbelasteten Familie aufgewachsen wären.

 

Es geht einzig und allein darum zu erkennen, wo die Grundsteine unseres Gefühlslebens liegen. Es ist zum Beispiel ausreichend zu erkennen, dass es uns an Selbstwertgefühl mangelt. Im Prinzip ist es absolut gleich, warum das so ist. Man kann sich selbst aber etwas besser verstehen, wenn man Fensterweiß, warum man immer wieder so reagiert - und man kann die Konsequenzen daraus ziehen.

Das Selbstwertgefühl wieder herzustellen, oder es erst mühsam entwickeln zu können, das ist unsere eigene Sache – das ist eine Arbeit, die uns niemand abnehmen kann. Und es ist auch egal, ob es einen „Täter“ oder „Verursacher“ für das Fehlen des Selbstwertgefühles gibt – ändern können wir es nur selbst. Das kann unter Umständen so lang dauern, wie eine zweite Kindheit gedauert hätte.

 

Es macht viele Dinge einfacher, heute erkennen zu können, dass man zum Beispiel schon wieder eine Beziehung regelrecht selbst zerstört, obwohl doch alles gerade so harmonisch wurde. Ist es zum Beispiel, weil man noch immer Angst davor hat, noch einmal so schlimm enttäuscht zu werden? Denn als Kind war es wahrscheinlich dann auch schon immer so – so wie man sich sicher und geborgen wähnte, ging alles in tausend Scherben. Diesen Schmerz möchten wir vielleicht von vorn herein vermeiden und machen die Beziehung lieber selbst kaputt, ehe es der andere tut. Das haben wir wahrscheinlich als Kind so gelernt – wie das Naseputzen – ohne darüber nachzudenken machen wir es heute weiter so.

 

Erkennen zu können, WARUM wir immer wieder reflexartig so und nicht anders reagieren, wirft ein neues Licht auf unsere Beziehungen. Manchmal erkennen wir erst, wenn uns unser Verhalten bewusst wird, WARUM uns eben diesen Partner "gefunden hat". Wie viele Frauen sagen zum Beispiel: "ich finde aber auch immer den Falschen..."!  Das ist kein Zufall. Vielleicht hilft es, manche Dinge (wie zum Beispiel die Partnerwahl) anders anzufassen und damit vielleicht endlich eine normale glückliche Beziehung haben und auch behalten zu können.

 

Verzeihen wir den Umständen, den Eltern, den Genen, den Zufällen und dem Leben – und machen wir uns an die Arbeit – für ein glücklicheres Leben!

© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)

Stand: 25. Oktober 2008