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 Zwischenbilanz einer Co-Abhängigen

  3.Teil


 

 

 

Erleichterung


Ich kann nicht schlafen – ich schlafe eh schlecht die letzte Zeit.
Sitze in meinem kalten Büro – nachts um halb zwei und habe seit sehr langer Zeit wieder das unbändige Bedürfnis zu schreiben.

Seele ist voll - schreit nach Erleichterung – das Schreiben ist eine Erleichterung für mich.

Warum bin ich immer noch wach?

Ich mache zur Zeit eine Paartherapie mit meinem mittlerweile Ex-Mann, den ich noch immer liebe.

Wir haben da einen Therapeuten – ich finde ihn gut – aber auch irgendwie unheimlich, schwer zu fassen. Aber er schafft es, das ich mir Gedanken mache – über mich nachdenke (Mal wieder – wie wenn das was Neues bei mir wäre)

Der Therapeut meint, das ich als Kind nicht genug Liebe bekommen hätte und deswegen keine Ziele in meinem Leben formulieren kann – besser gesagt nicht genau weiß was ich will.

Gott, was war ich stolz auf mich die letzte Zeit (um genau zu sein die letzten 3 Jahre, habe die Trennung von meinem Mann geschafft, habe die Scheidung eingereicht (Härtefallscheidung wegen Alkohol), eine eigene Wohnung gesucht ...

Mit meinem Ex versuch ich gerade eine bessere (viel bessere) alkoholfreie Beziehung aufzubauen (Er ist jetzt seit 5 Monaten in Adaption)

Hmm – mich beschäftigt das Ganze unheimlich – also habe ich versucht auf Spurensuche zu gehen – habe mir meine alten Gedichte durchgelesen – die ich als Teenie schrieb. Komisch – ich habe da zwei Gedichte gefunden die sich um Alkohol drehen – und die Problematik – obwohl ich da noch gar nie damit in Berührung gekommen war. Seltsam!

Dann erinnerte ich mich an die Geschichten die ich für diese Internet-Seite geschrieben habe (Meine Geschichten – mein Leben). Es ist schon seltsam ich dachte wirklich noch – ich wüsste worüber ich da geschrieben hatte - aber ich war völlig überwältigt von den Emotionen die rüber kommen. Obwohl die ersten Absätze mir nicht unbedingt wie mein eigenes Leben vorkamen.

Ich habe nur geheult – vor allen Dingen weil da die Antwort stand - mit der ich nicht gerechnet hatte.

Ich weiß was mit mir los ist – ich habe mich zwar in den letzten Jahren entwickelt – was mich tierisch freut – weil ich mich auch merklich besser fühle – aber mein Schicksal meint wohl, es war noch nicht gut genug mit mir.

Denn nun stehe ich wieder vor zwei Problemen – die ich ja eigentlich auch hätte vergessen können (dann müsste ich mir nicht meine Zehen abfrieren).

Ich leide unter dem Desinteresse von meinem Mann an meiner Person (wie damals bei meinem Vater) und habe dadurch Angst nicht geliebt zu werden (obwohl das Quatsch ist (jetzt redet die Bewußtseinsebene) weil er wahnsinnig kämpft)

Aber die Gefühle sind die gleichen – zurückgewiesen sein – Schmerz – Panik – Angst – und immer noch eine Müllhalde wie damals (nur kleiner!)
 

 

 

 

Fortschritt


Eins habe ich kapiert – und gespürt – ich kann mich nur selbst glücklich machen.

Nicht darauf warten das es jemand anderes tut – sich selber wertschätzen – stolz sein auf jeden Schritt und ist er noch so klein – Hauptsache es geht vorwärts

Ich habe gemerkt das es mir wahnsinnig hilft – ich fühle mich in vielen Sachen schon selbstsicherer und dadurch leichter – jetzt fehlen noch diese beiden Punkte.

Wissen tu ich zwar noch nicht genau wie ich sie anpacke – aber ich weiß wo ich anfangen muss – und das ist doch schon was!

In kleinen Schritten habe ich ja schon gelernt, mir selbst gut zu tun – ich mache jetzt meine Ausbildung zum Suchthelfer und gründe im Januar meine Gruppe für Co-Abhängige.

Also Kopf hoch es geht weiter – und es wird gut und schön.

Wenn ich weitergekommen bin – melde ich mich wieder bei Euch.