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 Zwischenbilanz einer Co-Abhängigen

  2.Teil

 

 

 

Müll

Aber das klappte nicht immer, wenn ich merkte, dass wirklich einer Interesse an mir hatte, zeigte ich ihm meinen ganzen Müllberg, so unter dem Motto: Hilf mir bitte aufräumen!

Die meisten rannten verschreckt davon – was ich heute verstehen kann.

Mein Mann hat manchmal auch noch damit zu kämpfen.

 

Irgendwann merkte ich, dass ich meinen Müll selber aufräumen muss, dass das andere nicht für mich machen können. Ich räumte alles auf, besser gesagt, ich verfeinerte mein Aschenputtel-Spiel, ich analysierte jetzt solange bis nichts mehr davon übrig war. Außer einer Erinnerung – ohne Gefühl.

 

Wenn Situationen kommen, die meine Gefühlswelt (die rationelle) durcheinander bringen, sprich Gefühle die ich nicht einordnen kann (mit denen ich umzugehen nie gelernt habe), wirft es mich aus der Bahn. D. h. ich falle in ein Loch und weiß nicht wie ich da herauskommen soll. Irgendwann komme ich dann heraus, aber die Gefühle kann ich nicht wegrationalisieren, ich kann sie nur vor mir herschieben.

 

Das wären:

 

  1. Ich bin doch an allem schuld

  2. Der Tod meines Opas (von dem ich nicht Abschied nahm)

  3. eine Fehlgeburt

Ein eigenes Kind?

Bei der Fehlgeburt, weiß ich nicht was es ist. 

Seit ich neun Jahre alt war, habe ich davon geträumt ein schwangerer Teenager zu sein. Ich fand das toll, ich wollte auch an meinem Kind alles richtig machen. Als ich dann ein Teenie war, passte ein Kind nicht mehr zu meiner Vorstellung als ewige Geliebte zu enden. Ewige Geliebte haben keine Kinder. 

 

Als Berufstätige merkte ich, das mir die Arbeit und das Geldverdienen Spaß machte. 

 

Und die Freiheit, Reisen die man sich damit kaufen konnte, da passte doch kein Kind. 

 

Aber eins haben wollte ich trotzdem einmal.

 

Tja und dann wurde ich schwanger, völlig unvorbereitet und nicht geplant, wo ich doch alles sonst plante. Auf der einen Seite freute ich mich zwar, aber auf der anderen Seite war das Gefühl, dass mein Leben zu Ende ist größer. Aus mit der Freiheit. Kaum gewöhnte ich mich an den Gedanken und hatte mein Leben schon umorganisiert, kam der nächste Schlag - ich musste es aus gesundheitlichen Gründen abtreiben lassen.

 

Schon wieder etwas, was völlig unvorhergesehen kam und mir keine Zeit ließ rationell an die Sache heran zu gehen. Ich weiß auch, das ich nichts dafür kann und mich keine Schuld trifft, aber ich fühle mich bis heute noch schuldig, weil ich denke, dass das Kind es damals gespürt hat, das ich es eigentlich doch nicht wollte.  

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Mein Mann

Ich habe das Glück, das ich meinen Traummann gefunden und geheiratet habe. Oft liege ich neben ihm (wenn er schläft) und beobachte ihn und denke mir: das ist mein Mann!!

Ich frage mich immer, was findet er wohl an mir? Wieso liebt er mich? So hübsch und so lieb bin ich gar nicht wie manche sagen. Ich fühle mich nicht so, als wenn ich ihn verdient hätte.  

 

Vor allen Dingen, dass sich so ein hübscher Mann für mich interessiert, finde ich immer wieder überwältigend. Manchmal frage ich mich, ob er mich nur genommen hat, weil er mal drogensüchtig war und die Frauen die er wollte ihn nicht wollten.

 

Manchmal erwarte ich einfach auch zuviel von ihm, ich weiß es, aber ich kann noch nicht gegen meine Natur steuern. Oft habe ich das Gefühl, das er wie mein Vater ein Desinteresse an mir hat, wo ich mich doch so bemühe ihm zu gefallen. Was mir im Moment sehr schwer fällt, da ich einfach zu dick bin. Aber auch nicht die Kraft und den Willen habe abzunehmen.

Ich selber finde mich ja schon unansehnlich, erwarte aber von ihm, dass er mich hocherotisch findet und laufend vernaschen will. Wenn er es dann aus verständlichen Gründen nicht tut, bin ich natürlich wieder eingeschnappt. Ich hasse mich selber dafür ihn damit unter Druck zu setzen.

 

Aber ich habe irgendwie das Bild von der perfekten Beziehung vor Augen, ich weiß das es die nicht gibt und nie geben wird, in der man sich alles sagt, versteht (blind) und herrlichen Sex hat. 

Das ist meine Definition von Glück – Stopp – 2 oder 3 Kinder fehlen noch, ein Häuschen, finanzielle Unabhängigkeit und ein langes gemeinsames Leben ohne Krankheiten.

 

Wenn ich Alpträume habe, dann träume ich immer dass mein Mann stirbt, und ich sehe mich laufend trauern (irgendwie gefalle ich mir in der Rolle, aber ich weiß auch das mein Lebensglück damit endet). Ich glaube ich könnte damit umgehen, von meinem Mann getrennt zu leben, aber ich finde den Gedanken schrecklich, dass er nicht mehr da wäre.

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Ich

Verrückt, ich weiß. 

Aber irgendwie kann ich nicht aus meiner Haut, dabei möchte ich es doch so gerne. 

Einfach zufrieden sein und keine Probleme haben, die man analysiert.

 

Ob ich das noch schaffe? 

Ich weiß es nicht. 

Aber wie ich mich kenne, werde ich wieder hart an mir arbeiten um meinen Teil zu erfüllen. Wie immer!?!

 

Meistens frage ich mich, warum quäle ich mich selber so, und warum war das schon immer so. 

Bin ich verrückt, unnormal oder ...  ?   ?   ?

 

Manche Leute sagen mir das sie mich bewundern, das schmeichelt, bin ich ganz ehrlich, aber ich frage mich und sie immer warum. Ich für mich finde keine Antwort. Mein Mann sagt immer das ich <eine Liebe> bin, finde ich nicht, wenn ich mir die Zeilen von oben noch einmal durchlese würde ich mir das an seiner Stelle noch einmal gut überlegen. So lieb bin ich gar nicht. Ich backe gerne Kuchen und verwöhne gerne, aber ist das der Inbegriff von lieb?

 

Ich weiß nicht warum ich so ruhelos bin. 

Vielleicht weil ich nicht an ein Leben nach dem Tod glaube? 

Weil ich mir immer denke es ist doch so kurz und ich will all das erreichen, wozu meine Eltern entweder nie das Geld oder die Zeit hatten. Und deswegen Ihren Träumen noch nachhinken. Ich habe auch immer das Gefühl, das ich meinen Mann gerne viel früher kennen gelernt hätte, weil die Zeit die uns noch verbleibt zu kurz ist.

 

Ob ich das Gefühl habe, selber nicht so alt zu werden? 

Ich weiß es nicht, nein ich glaube nicht. 

 

Ich wünsche mir in meinen Gedanken immer als alte, weißhaarige Oma im Lehnstuhl sitzen mit ein paar Enkelkindern um mich herum und ich erzähle ihnen aus meinem Leben.  

 

Aber ich sehe mich dann immer alleine vor dem Kamin sitzen. Und das gefällt mir nicht.

 

Fragen über Fragen auf die ich keine Antwort finde, die ich doch so gerne hätte.

© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)

Stand: 25. Oktober 2008