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Zwischenbilanz einer Co-Abhängigen 2.Teil
Müll Aber
das klappte nicht immer, wenn ich merkte, dass wirklich einer Interesse
an mir hatte, zeigte ich ihm meinen ganzen Müllberg, so unter dem
Motto: Hilf mir bitte aufräumen! Die
meisten rannten verschreckt davon – was ich heute verstehen kann. Mein
Mann hat manchmal auch noch damit zu kämpfen.
Irgendwann
merkte ich, dass ich meinen Müll selber aufräumen muss, dass das andere
nicht für mich machen können. Ich räumte alles auf, besser gesagt,
ich verfeinerte mein Aschenputtel-Spiel, ich analysierte jetzt solange
bis nichts mehr davon übrig war. Außer einer Erinnerung – ohne Gefühl.
Wenn
Situationen kommen, die meine Gefühlswelt (die rationelle)
durcheinander bringen, sprich Gefühle die ich nicht einordnen kann (mit
denen ich umzugehen nie gelernt habe), wirft es mich aus der Bahn. D. h.
ich falle in ein Loch und weiß nicht wie ich da herauskommen soll.
Irgendwann komme ich dann heraus, aber die Gefühle kann ich nicht
wegrationalisieren, ich kann sie nur vor mir herschieben.
Das
wären:
Ein eigenes Kind? Bei der Fehlgeburt, weiß ich nicht was es ist. Seit ich neun Jahre alt war,
habe ich davon geträumt ein schwangerer Teenager zu sein. Ich fand das
toll, ich wollte auch an meinem Kind alles richtig machen. Als ich dann
ein Teenie war, passte ein Kind nicht mehr zu meiner Vorstellung als
ewige Geliebte zu enden. Ewige Geliebte haben keine Kinder.
Als Berufstätige merkte ich, das mir die Arbeit und das Geldverdienen Spaß machte.
Und die Freiheit, Reisen die man sich damit kaufen konnte, da passte doch kein Kind.
Aber eins haben wollte ich trotzdem einmal.
Tja
und dann wurde ich schwanger, völlig unvorbereitet und nicht geplant,
wo ich doch alles sonst plante. Auf der einen Seite freute ich mich
zwar, aber auf der anderen Seite war das Gefühl, dass mein Leben zu Ende
ist größer. Aus mit der Freiheit. Kaum gewöhnte ich mich an den
Gedanken und hatte mein Leben schon umorganisiert, kam der nächste
Schlag - ich musste es aus gesundheitlichen Gründen abtreiben lassen.
Schon
wieder etwas, was völlig unvorhergesehen kam und mir keine Zeit ließ
rationell an die Sache heran zu gehen. Ich weiß auch, das ich nichts
dafür kann und mich keine Schuld trifft, aber ich fühle mich bis heute
noch schuldig, weil ich denke, dass das Kind es damals gespürt hat, das
ich es eigentlich doch nicht wollte.
Mein Mann Ich
habe das Glück, das ich meinen Traummann gefunden und geheiratet habe.
Oft liege ich neben ihm (wenn er schläft) und beobachte ihn und denke
mir: das ist mein Mann!! Ich
frage mich immer, was findet er wohl an mir? Wieso liebt er mich? So hübsch
und so lieb bin ich gar
Vor
allen Dingen, dass sich so ein hübscher Mann für mich interessiert,
finde ich immer wieder überwältigend. Manchmal frage ich mich, ob er
mich nur genommen hat, weil er mal drogensüchtig war und die Frauen die
er wollte ihn nicht wollten.
Manchmal
erwarte ich einfach auch zuviel von ihm, ich weiß es, aber ich kann
noch nicht gegen meine Natur steuern. Oft habe ich das Gefühl, das er
wie mein Vater ein Desinteresse an mir hat, wo ich mich doch so bemühe
ihm zu gefallen. Was mir im Moment sehr schwer fällt, da ich einfach zu
dick bin. Aber auch nicht die Kraft und den Willen habe abzunehmen. Ich
selber finde mich ja schon unansehnlich, erwarte aber von ihm, dass er
mich hocherotisch findet und laufend vernaschen will. Wenn er es dann
aus verständlichen Gründen nicht tut, bin ich natürlich wieder
eingeschnappt. Ich hasse mich selber dafür ihn damit unter Druck zu
setzen.
Aber ich habe irgendwie das Bild von der perfekten Beziehung vor Augen, ich weiß das es die nicht gibt und nie geben wird, in der man sich alles sagt, versteht (blind) und herrlichen Sex hat. Das ist meine Definition
von Glück – Stopp – 2 oder 3 Kinder fehlen noch, ein Häuschen,
finanzielle Unabhängigkeit und ein langes gemeinsames Leben ohne
Krankheiten.
Wenn
ich Alpträume habe, dann träume ich immer dass mein Mann stirbt, und
ich sehe mich laufend trauern (irgendwie gefalle ich mir in der Rolle,
aber ich weiß auch das mein Lebensglück damit endet). Ich glaube ich könnte
damit umgehen, von meinem Mann getrennt zu leben, aber ich finde den
Gedanken schrecklich, dass er nicht mehr da wäre.
Ich Verrückt, ich weiß. Aber irgendwie kann ich nicht aus meiner Haut, dabei möchte ich es doch so gerne. Einfach zufrieden sein und keine Probleme haben,
die man analysiert.
Ob ich das noch schaffe? Ich weiß es nicht. Aber wie ich mich kenne, werde
ich wieder hart an mir arbeiten um meinen Teil zu erfüllen. Wie
immer!?!
Meistens frage ich mich, warum quäle ich mich selber so, und warum war das schon immer so. Bin ich verrückt, unnormal oder ...
Manche
Leute sagen mir das sie mich bewundern, das schmeichelt, bin ich ganz
ehrlich, aber ich frage mich und sie immer warum. Ich für mich finde
keine Antwort. Mein Mann sagt immer das ich <eine Liebe> bin, finde ich
nicht, wenn ich mir die Zeilen von oben noch einmal durchlese würde ich
mir das an seiner Stelle noch einmal gut überlegen. So lieb bin ich gar
nicht. Ich backe gerne Kuchen und verwöhne gerne, aber ist das der
Inbegriff von lieb?
Ich weiß nicht warum ich so ruhelos bin. Vielleicht weil ich nicht an ein Leben nach dem Tod glaube? Weil ich mir immer denke es ist doch so kurz
und ich will all das erreichen, wozu meine Eltern entweder nie das Geld
Ob ich das Gefühl habe, selber nicht so alt zu werden? Ich weiß es nicht, nein ich glaube nicht.
Ich
wünsche mir in meinen Gedanken immer als alte,
weißhaarige Oma im Lehnstuhl sitzen mit ein paar Enkelkindern um mich
herum und ich erzähle ihnen aus meinem Leben.
Aber
ich sehe mich dann immer alleine vor dem Kamin sitzen. Und das gefällt mir
nicht.
Fragen
über Fragen auf die ich keine Antwort finde, die ich doch so gerne hätte. |
© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)
Stand: 25. Oktober 2008