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Hallo, ich bin Julia ... 4.Teil
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Ich weiß nicht, ob alle Heime so sind, aber ich fand es schrecklich!
Ein Mädchen schaute mich mit so bösen tötenden Blicke an, dass ich mir dachte: nee, wenn die hier alle so gucken, dann gibt es hier keine Liebe, dann bleibe ich lieber zuhause. Während meiner Führung durchs Haus gab es Mittagessen, oh mein Gott - die aßen mit den Füßen auf dem Tisch !!! Nee, danke hier will ich nicht hin!!!! |
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Montags hätte ich dann zu- oder absagen müssen und ich kam total in die Konflikte: ,Will ich da wirklich nicht hin? Will ich mir das alles daheim noch länger antun? Oder ziehe ich da hin und nehme es einfach in kauf, wie die da sind? Vielleicht
habe ich mich in denen ja auch nur getäuscht?' Ich wusste nicht, was ich
machen sollte. Und
das dümmste war: Mittwochs sollte ich mir eine Pflegefamilie angucken, wäre
diese Familie gut, wäre es nicht schlimm wenn ich das Heim absagen würde.
So
ging es andauernd in meinem Kopf hin und her. Schließlich
sagte ich dann doch lieber in dem Heim ab und schaute mir am Mittwoch die
Pflegefamilie an. Sie
wohnten in einem ganz kleinen Kaff, hatten noch fünf andere Pflegekinder,
drei eigene
Kinder, ca. fünf Hunde, vier Vögel und eine Katze. Das fand ich schon
mal ganz
lustig, hörte sich sympathisch an. Als ich mit Frau X vorm Hoftor stand, kam auf einmal eine kleine Frau aus dem Haus. Das war sie also, die Pflegemutter. Sie strahlte so eine Menge Liebe, Wärme, Geborgenheit und ein Verständnis aus, ich hätte weinen können vor Glück. Gott sei dank, dass ich das Heim abgesagt hatte. Von
dem Moment an war mir klar, das ich dort wohnen wollte. Und das habe ich dann auch getan. |
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Drei
Tage vor meinem Auszug hatte ich auch Abschlussfeier von der Schule – aber
für mich war es ein Abschied von allen. Meine
Sachen zu packen war noch nicht mal schlimm, ich konnte endlich
aussortieren. Der Tag an dem ich auszog war der 17. Juni 1996, für mich ein ganz normaler Tag, im nachhinein vielleicht mit einem Tag in der Kur zu vergleichen! Nur
mit etwas Anspannung und mit Spannung vor dem Neuen. Mein
Papa fuhr mich dort hin, zu der Pflegefamilie. Es fiel ihm nicht leicht,
das merkte ich. Als er das Zimmer sah, guckte er ganz komisch. Als ich
nach ein paar Tagen oder so zu Besuch kam, sagte meine Schwester, sie hätten
drei Stunden nur geweint. Mama
hat nach meinem Auszug ganz normal weiter getrunken. Sie und Papa gaben
mir nie das Gefühl dass es total schade ist, dass ich ausgezogen
bin – sondern einfach nur schade. Die Pflegefamilie war wirklich so, wie ich es mir vorgestellt hatte, total schön. Klar, gab es auch mal Streit wegen Meinungsverschiedenheiten, aber die gibt es überall – vor so etwas kann man nicht abhauen. |
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Ich
habe fast drei Jahre dort gewohnt und bin ein anderer Mensch geworden. Ich
sage meine Meinung, mache was ich will – also kurz: ich habe ein
Selbstbewusstsein bekommen, das ist manchmal nicht mehr normal. Leute, die
mich
Seit
einem Jahr wohne ich jetzt in meiner eigenen Wohnung, aber „betreutes
Wohnen“, d.h. ein bis zweimal die Woche kommt meine Betreuerin und sieht
nach dem rechten. In den ganzen 4 Jahren, die ich jetzt nicht mehr daheim
wohne, habe ich meinen Realschulabschluss gemacht, meinen Führerschein
und habe eine Ausbildung angefangen, die nur noch 1 Jahr dauert! Mein
Fazit aus allem ist: ich hätte das alles nie erreicht und ich wäre nicht der Mensch, der ich heute bin, wenn ich zuhause geblieben wäre.
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© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der A
lltagswelt e.V. (B. H.)Stand: 25. Oktober 2008