Navigation fehlt links? Index nachladen


Erlebnisse 

Hallo, ich bin Julia ...      3.Teil

Nach solchen Gesprächen hatte ich immer wieder so große Hoffnungen das alles besser wird, dass wir uns danach Teddy flennend in den Armen lagen und uns versprachen, uns nie mehr weh zu tun. Aber als dann nach dem dritten mal Versprechen immer noch nichts passierte, sagte ich zu allen, die immer noch Hoffnungen nach solchen Sätzen hatten, dass sie sich da nicht zu sehr reinsteigern sollten. 

Sie würden sich nur kaputt machen und Mama würde eh nix machen. 

Leider glaubten mir viele nicht und versuchten uns zu helfen! 

Als dann wirklich nichts passierte, waren sie so enttäuscht, das sie sich abwendeten und nur noch selten zu Besuch kamen.

Kinderkreis

In dieser Zeit verordnete mir das Jugendamt eine Kur von vier Wochen.

In diesen vier Wochen wurde mir noch bewusster wie schön, lustig und sorgenfrei das Leben sein konnte und wie nett meine Eltern und Geschwister auf einmal doch zu mir waren. Jede Woche bekam ich bestimmt zwei oder drei Briefe.

Aber danach war bloß alles wie immer.

 

Nach ca. einem Jahr wollte sich Mama dann vor den Augen unserer Familienhelferin ein Messer in den Rücken stechen, das wir immer zum Pizza schneiden nahmen, also es war ganz schön groß und scharf! Sie hielt sich das Messer selbst an den Rücken und sagte: „Ich bring mich jetzt um.“ Das muss man sich mal überlegen! 

Wir versuchten dann zu dritt (Papa, die Familienhelferin und ich) Mama das Messer weg zu nehmen. Aber sie war so in ihrem schauspielerischen Element. dass wir sie erst nach ein paar Minuten davon überzeugen konnten, das man so was nicht macht. Inzwischen versuchte Frau H. meine Schwester abzulenken, damit sie nicht sah, was meine Mutter vor hatte. Alle waren furchtbar aufgeregt.

An diesem Tag wurde für mich wieder klar >>so kann es nicht weiter gehen, das bringt doch alles nix, der nächste Schritt muss her<<!

Frau H., unsere Familienhelferin meldete dem Jugendamt, das sie nichts mehr machen könnte und gab unseren Fall wieder an das Jugendamt zurück. 

Pfeil hoch

Nun kam einmal die Woche Frau X zu uns. 

Aber das brachte auch nix. 

Alles ging immer so weiter. 

Ich musste es wohl wieder selbst in die Hand nehmen. 

Also machte ich mit meiner Suchtberaterin im Oktober 1996 aus, dass, wenn sich bis Ende des Jahres nichts ändern würde, ich ins Heim oder in eine Pflegefamilie ziehen wollte. 

Ich wollte raus aus diesem Irrenhaus.

Fragt jetzt nicht, woher ich wusste das man das kann, ich weiß es nämlich auch bis heute selbst noch nicht. Vielleicht haben die vom Jugendamt das auch mal erwähnt – aber bewusst gehört habe ich es nicht. Vielleicht habe ich es auch nicht hören wollen. Schließlich habe ich ja immer wieder gehofft, dass Mama begreift, dass sie aufhören muss zu trinken – sonst ist ihre große Tochter weg.

Natürlich hatte ich meinen Eltern nichts von meinem Zeitlimit gesagt. Möglicherweise hätten sie sich bis Ende des Jahres so zusammen gerissen, dass ich wieder gedacht hätte, alles wird anders. Ich wollte aber nicht noch mal enttäuscht werden. Klar ist mir im nachhinein auch, das sich nichts geändert hatte, alles war gleich. 

Es hat Mama nichts ausgemacht, dass das Jugendamt mitgekriegt hat, wie das bei uns zuhause so abgeht.

Also sagte ich Frau X. vom Jugendamt, das ich nicht länger daheim wohnen wolle. Sie fragte mich ob ich in eine eigenen Wohnung ziehen wolle, aber ich sagte ihr, dass ich erst noch etwas lernen wolle, z.B. wie oft wechsle ich meine Bettwäsche im Monat oder so, praktische Sachen halt. 

Ich war noch nicht so weit, allein zu leben.

Also sahen wir uns dann ca. im März 1997 ein Heim an.

Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)

Stand: 25. Oktober 2008