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Erlebnisse 

1.Teil

Hallo ich bin Julia, 20 Jahre alt und AZUBI zur Bürokauffrau.

Ich bin Tochter einer Alkoholikerin und möchte Euch heute etwas über mein Leben mit Ihr erzählen.

Vielleicht kann es Euch helfen, für Euch selbst einen Entschluss zu finden, ob das Leben so weitergehen soll oder nicht.

 

Man gewöhnt sich ja daran, irgendwie jedenfalls, wenn die Mutter fast immer betrunken ist. Aber manchmal ist es auch ganz fürchterlich. Manchmal habe ich mir sogar gewünscht, dass sie einfach tot sein soll. Das wollte ich eigentlich nicht denken, aber es schien eben keine andere Lösung zu geben. 

Trauriges MaedchenIch war dreizehn, als etwas in meinem Kopf und im meinem Bauch passierte:

Eines Tages hatte ich das Gefühl, wenn ich jetzt nichts mache, mir `Hilfe´ hole, passiert etwas  ganz Schlimmes. Entweder säuft sie sich den Kopf zu, dass sie, wenn ich was Falsches sage, mich zusammenschlägt (wobei ich sagen muss, dass wir nie geschlagen wurden, wenn es keinen richtigen Grund dafür gab) oder sie weiß nicht mehr, wer ich bin und lässt mich nicht mehr in die Wohnung.  

Ich hatte einfach totale Panik. Dabei war es eigentlich nicht schlimmer als sonst. Aber ich konnte es nicht mehr aushalten.

Was konnte ich aber tun?

Wie konnte ich erreichen, dass Mama mit dem Trinken aufhört?

Und gleichzeitig erreichen, dass ich nicht mehr so leben muss, wie es mein ganzes Leben lang gewesen war.

Nur reden hat bis jetzt nichts geholfen. Es musste also etwas mit mehr Nachdruck sein.

>>Also<< dachte ich mir >> Freunde oder Bekannte sind entweder zu jung um mir zu helfen oder haben die ganze Zeit schon nichts erreicht. Da musst du halt nun selbst mal zum Jugendamt und einfach mal fragen<<. 

Nur, so entschlossen wie ich einerseits war, genauso viel Angst hatte ich aber auch, meine Mutter, meine Familie zu Kinder „verraten“.  Aber, fragte ich mich...., warum haben andere Kinder so ein schönes Familienleben und ich nicht? Warum muss ich meine Schwester oder meinen Bruder überall mit hinnehmen? Warum trage ich so viel Verantwortung für alles und jeden? Und andere nicht? ...... Weil meine Mama trinkt und andere nicht!!! 

 

Aber ich wollte deshalb doch mein Leben nicht kaputt machen lassen, denn ich wusste: So will ich nicht in allePfeil hoch Ewigkeit weiterleben, und so kann ich weniger aus meinem Leben machen, als wenn ich halbwegs ,,sorgenfrei“ lebe! 

Deshalb bin ich nach langem Überlegen und in einer Art Kurzschlussreaktion zum damaligen Direktor meiner Schule gegangen und habe ihn nach der Telefonnummer vom Jugendamt gefragt. Ich hatte Glück. Er hörte mich an und hatte noch ein paar Fragen, dann hat er das Jugendamt gleich angerufen und einen Termin für den selben oder nächsten Tag ausgemacht (weiß ich nicht mehr genau)! 

Als ich dann bei Frau X. vom Jugendamt saß, war ich hin und hergerissen:

Was mach ich jetzt? Abhauen und alles weiter ertragen oder alles „gestehen“?

Ich saß da und während ich ihr alles, was ich als wichtig empfand, erzählte, unterdrückte ich ständig meine Tränen oder überspielte sie durch lautes Lechen. Ich fühlte mich wie der totale Verräter, hatte aber gleichzeitig Angst nicht ernst genommen zu werden.

Deshalb erfand ich noch Sachen dazu oder übertrieb (ich musste gar nicht immer Spülen, und wenn, dann habe ich es freiwillig gemacht, bügeln musste ich erst recht nicht).

Und - hurra Frau X. glaubte mir! Sie sagte, wir würden in den nächsten Tagen einen Brief bekommen in dem ein Termin steht. An diesem Tag wollte sie mit einer Kollegin bei uns vorbei kommen. 

Da wurde mir erst klar, was ich gemacht hatte. So weit hatte ich nicht gedacht.

Panik brach in mir aus. 

Was würden meine Eltern sagen, wenn auf einmal das Jugendamt käme? Ich versuchte sie zu einer Lüge zu überreden, ob sie nicht verschweigen könnte, dass ich beim Jugendamt war, sondern lieber sagen, dass der Direktor sich bei ihr gemeldet hatte und so, aber sie sagte sie würde nicht lügen, das würde keine guten Eindruck auf meine Eltern machen.

Ich dachte: Also gut, nehme ich eben alles auf mich, hoffentlich packe ich das alles!!!

Es hilft ja nichts, anders passiert garnix – und das will ich ja auch nicht.

2 Wochen vergingen, Tage in denen ich noch größere Angst hatte nach Hause zu gehen, als jemals zuvor in meinem Mama. Leben. 

Als ich dann eines Tages schon fast gar nicht mehr daran dachte, war er da - der Brief vom Jugendamt!!! 

Ich kam von der Schule und Mama war total hacke, also betrunken. 

Aber, na ja, das war ja nix Neues! 

Auf einmal brüllt sie mich an, >>was mir einfallen würde, ob ich die ganze Familie auseinander bringen wolle,  bla bla bla <<!  

© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)

Stand: 25. Oktober 2008