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Erlebnisse

das wirkliche Leben

Ambulanter Entzug

 

Von Nass zu Trocken . ein Bericht Teil 1

von Charles S.

 

Heute bin ich 40 Jahre alt.

 

Getrunken habe ich von meinem 14 Lebensjahr (05.1975), bis zu meinem 32 Lebensjahr (01.01.1993).

 

Die Gründe warum ich zum Alkoholiker wurde, werde ich in einem anderen Bericht erzählen.

 

1992:

Ich wurde seit einiger Zeit von der Sozialbetreuerin unseres Betriebes (Telekom), auf meine Alkoholprobleme angesprochen. 

Wie jeder Alkoholkranker, wollte ich ihre Befürchtungen nicht wahrnehmen.  

In dieser Zeit hatte ich Probleme mit meinem Rücken (nach Bandscheiben- OP 1988), und musste zu einer ambulanten Untersuchung in ein Krankenhaus.

An diesem Tag konnte ich nicht, wie gewohnt, schon morgens für meinen Alkoholpegelstand sorgen – wegen der anstehenden Untersuchung...

An diesem Nachmittag wollte ich auch noch mit einigen Arbeitskollegen  zum Bremer Freimarkt, zum Trinken also.          

 

Im Krankenhaus hatte ich morgens um 8:oo Uhr einen Termin, kam aber erst um 11:oo Uhr dran.

Bei der Untersuchung wurde das Zittern des Akoholentzugs  bemerkt .

Sofort wurde die Untersuchung abgebrochen, und ich nach Hause geschickt.

Es war ca. 12:oo Uhr als ich zu Hause ankam.

Sofort griff ich zur Weinbrandflasche um meinen Pegel zu erreichen.

Um 14:oo Uhr verließ ich meine Wohnung, um zum Freimarkt zu kommen.

Etwa um 15:oo Uhr traf ich meine Arbeitskollegen.

Wir steuerten sofort eine Bierbude an, um etwas zu trinken.

Dort konnte ich mein Bierglas nicht mehr festhalten vor zittern.

Ein Kollege führte mir das Glas zum Mund.

Wie auch schon der Alkohol zuhause, half das Bier nicht mehr, das Zittern zu mindern. Betrunkener

Mir wurde übel, ich verließ meine Kollegen, um mir ein Glas Wasser zu kaufen.

Dieses konnte ich mit einem Strohhalm trinken. Ich kehrte zu meinen Kollegen zurück.

Wir gingen ein Stück, als ich wie vom Blitz getroffen umfiel.  

 

KRAMPFANFALL

 

Ich renkte mir beim Aufschlag auf den Boden die Schulter aus, was ich aber nicht mitbekam.

Ich wurde erst eine halbe Stunde später im Krankenhaus wieder wach..

Das Krankenhaus entließ mich schon am nächsten Tag. 

Dieser Tag war es, an dem ich mich entschloss mit dem Trinken aufzuhören., der 26.10.1992.  

 

Ich weiß bis heute nicht warum der Alkohol am Freimarktstag nicht wirkte, für mich war es so etwas wie ein Zeichen. 

Pfeil hoch

Ich musste am nächsten Tag zu meinem Hausarzt, mit dem ich über die Möglichkeiten der Alkoholentgiftung sprach. Er empfahl mir auch mich um einen Therapieplatz zu bemühen.  Hier begannen die Schwierigkeiten.

Ich wollte zur Entgiftung in kein Krankenhaus, und erst im nächsten Jahr waren noch Therapieplätze frei.

Es passierte etwas, womit ich eigentlich nie gerechnet hatte, ich sollte kontrolliert Weitertrinken. Das hieß, nur soviel trinken, das ich nicht betrunken bin, aber soviel

Alkohol intus um keinen zweiten Krampfanfall zu bekommen.

 

Im nachhinein klingt dies ziemlich merkwürdig, half mir aber dabei, weiter zur Arbeit zu gehen, und dort meine Arbeit bestmöglich zu verrichten, um meinen Job zu behalten. Über 5 Wochen hielt ich es so aus, bemühte mich dabei aber auch um einen Therapieplatz und immer weniger zu trinken.

 

Ich nahm meinen Resturlaub, bis zum Ende des Jahres. Durch Mithilfe der Caritas hatte ich kurz vor Weihnachten einen Therapieplatz in Aussicht.  

Ab 17.02.1993 in Neuenkirchen, bei Osnabrück. 

Am 31.12.1992 23:oo Uhr trank ich meinen letzten Tropfen Alkohol, ab dem 01.01.1993 ca.10:oo Uhr begann mein Alkoholentzug.

 

Dieser Entzug ist wohl einer der Gründe, warum ich nicht rückfällig geworden bin.

 

Unter Aufsicht meines Hausarztes, entzog ich zuhause.

Ich habe Kreislaufstabilisierende Tabletten zur Unterstützung bekommen, und hätte den Arzt bei Tag oder Nacht jederzeit anrufen können und er wäre gekommen.

 

Der Entzug lief so ab:

Am 01.01. ca. 10 Liter Flüssigkeit getrunken, gleich wieder erbrochen. Kein Essen, nicht geschlafen.

Am 02.01. ca. 15 Liter Flüssigkeit getrunken, gleich wieder erbrochen. Kein Essen, nicht geschlafen.

Am 03.01. nichts getrunken, nichts gegessen, nicht geschlafen.

Am 04.01. nichts getrunken, nichts gegessen, nicht geschlafen, konnte jedes Geräusch im ganzen Haus hören.

Am 05.01. nichts getrunken, nichts gegessen, nicht geschlafen, konnte mit geschlossenen Augen sehen ( kam mir jedenfalls so vor ).

Am 06.01. Saft getrunken, nichts gegessen, aber geschlafen.

Am 07.01. Saft getrunken, nichts gegessen, geschlafen.

Am 08.01. hatte ich eine Blitzdiät hinter mir, 11 Kilo waren runter, aber die ersten Scheiben Zwieback gegessen.

Ich konnte meinen Kopf nicht richtig gerade halten, das kam vom vielen Erbrechen.

So musste ich zum Arzt in die Praxis, die Blicke der anderen  Patienten werde ich wohl nie vergessen. 

Der Arzt schrieb mich noch 2 Wochen krank (Diagnose–Alkoholentzug).

 

Ich versuchte nach Ablauf der Krankschreibung, wieder zu arbeiten, klappte aber nicht so.

Nach 2 Tagen konnte ich nicht mehr, der Gewichtsverlust hatte mich total entkräftet.

Also schrieb mich mein Arzt bis zum 16.02 weiter arbeitsunfähig. (Diagnose-Alkoholentzug).

Am 17.02. bin ich trocken zur Therapie gefahren worden.

User915052@aol.com 

© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)

Stand: 25. Oktober 2008