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BILANZ - man muss nicht immer alles verbissen sehen
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da
sind noch andre Dinge in mehreren Sparten, die
da auf Erfüllung warten, die
Wohnung ist recht desolat, ein
mickriger Gesamtetat, der
Führerschein in weiter Ferne, ob
ich ne „sie“ mal kennen lerne? auch
Schulden hab’ ich nicht zu knapp, bei
Gott, das ist ein rauher Pfad. Eins
nach dem Anderen mit kleinem Schritt, so
wird das was, ansonsten „shit !!“ Ich
geh’ da hin und mache das, nicht
jeden Tag macht mir das Spaß. Im
Februar da winkt der Führerschein, laut
Gericht, der TÜV sagt nein, so
steht’s geschrieben, die
Prozedur wirst Du nicht lieben, Du
blickst uns nicht in unsre Karten. Da
musst Du noch ’ne Weile warten, ein
Jahr genau nach Deiner Kur - das
ist ne lange Prozedur, und
den Idiotentest musst Du besteh’n, Du
finden blöd? Wir Dich versteh’n! Du
musst zum Onkel Doktor hin, um
zu beweisen, dass Du clean, mit
Lebertest und Röhrchen pissen, alles
andre musst Du missen, und
Freundeskreis und trallala, dann
ist die Pappe wieder da.
Freundeskreis
sag’ ich, zu was denn das, das
macht nun wirklich keinen Spaß, in
meinem alkoholgetränkten Leben, hat
es bei all’n ein Stelldichein gegeben, vom
Blauen Kreuz in Ludwigsburg zum AKB in Westberlin – überall
bin ich mal hin – gegangen
um zu hör’n was Sache, zum
Thema Drogen. Dass ich nicht lache, die
labern nur den alten Scheiß, und
das, das ist dann Trockenheitsbeweis?!
„Tja,
mein Freund, so ist das nun, wer
Lappen will, muss auch was tun, und
zwar das, was wir verlangen, mitgegangen
– mitgefangen - das
und beten, sonst hat er den Weg umsonst betreten.“ Sie
gibt mir ’nen Zettel mit Adresse, ich
hab’ kein allzu groß’ Interesse, doch
was sein muss, das muss sein, auf
dem Weg zum Führerschein. So
ruf’ ich an beim bösen Wolf, ich
lese da, man nennt ihn Rolf , erkläre
ihm den Sachverhalt, schmück’
das noch aus mit motivierten Worten und
bin dann dienstags mal vor Orten. Ich
schaue mir das Ganze an, sitz
als „Kunde“ in der Runde, als
Kandidat von Amtes wegen, doch
die haben erst mal nichts dagegen. Ich
stell mich vor, weil ich denn muss und
krieg’ als erstes auf die Nuss, von
wegen „Hintertür“ und „nix begriffen“, ich
tät nichts saufen, dafür kiffen, so
hatt’ ich immer ’rumgetönt und
mein Suchtverhalten nur geschönt. Das
macht mich doch dann sehr betroffen, am
liebsten hätt’ ich losgesoffen. Die
Einsicht kam wie immer später, ich
machte auf Verzweiflungstäter, der
böse Staat hat mir genommen, was
ich mit Mühe hatt’ bekommen. Mein
Geschimpfe das war groß, über
dieses schlimme Los. Ich
sprach mit meinem Suchtberater, der
war auch nicht moderater, ich
sprach mit einem Freund, dem alten, aus
der Schrauberzeit, war ungehalten. Sie
meinten nur: “nun gib Dir Zeit, eines
Tages bist auch Du so weit, und
übe Dich in der Geduld, die
andern haben keine Schuld, an
Deinem Elend, das bist nur Du, geh
in die Gruppe und gib Ruh’.“ Das
tat ich dann, zwar erst mit Wut, so
langsam wurde das dann gut, ich
muss gesteh’n - es tut nicht weh, und
wenn ich so nach hinten seh’: -
ich hab’ viel über Bord geschmissen, doch
darauf ist am Schluss geschissen, heut’
geh’ ich in die Gruppe gerne, weil
ich auch ab und zu was lerne. Es
dauerte zwar eine Weile, ich
hatt’ auch meine Vorurteile, von
wegen Spießer oder so, die
bin ich los, da bin ich froh, den
Führerschein, den hab’ ich wieder, es
geht aufwärts, ich werd bieder (!), ein
fester Job ist angesagt, mir
angeboten – ungefragt, ich
mach’ ’nen Bogen um
die Drogen und
liebe Leute, ohne Scheiß, ein
hoch auf unser’n Freundeskreis... Helau
!
Martin
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© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)
Stand: 25. Oktober 2008