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BILANZ - man muss nicht immer alles verbissen sehen

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da sind noch andre Dinge in mehreren Sparten,

die da auf Erfüllung warten,

die Wohnung ist recht desolat,

ein mickriger Gesamtetat,

der Führerschein in weiter Ferne,

ob ich ne „sie“ mal kennen lerne?

auch Schulden hab’ ich nicht zu knapp,

bei Gott, das ist ein rauher Pfad.

Eins nach dem Anderen mit kleinem Schritt,

so wird das was, ansonsten „shit !!“

Ich geh’ da hin und mache das,

nicht jeden Tag macht mir das Spaß.

Im Februar da winkt der Führerschein,

laut Gericht, der TÜV sagt nein,

so steht’s geschrieben,

die Prozedur wirst Du nicht lieben,

Du blickst uns nicht in unsre Karten.

Da musst Du noch ’ne Weile warten,

ein Jahr genau nach Deiner Kur -

das ist ne lange Prozedur,

und den Idiotentest musst Du besteh’n,

Du finden blöd? Wir Dich versteh’n!

Du musst zum Onkel Doktor hin,

um zu beweisen, dass Du clean,

mit Lebertest und Röhrchen pissen,

alles andre musst Du missen,

und Freundeskreis und trallala,

dann ist die Pappe wieder da.    

 

 

Freundeskreis sag’ ich, zu was denn das,

das macht nun wirklich keinen Spaß,

in meinem alkoholgetränkten Leben,

hat es bei all’n ein Stelldichein gegeben,

vom Blauen Kreuz in Ludwigsburg zum AKB in Westberlin –

überall bin ich mal hin –

gegangen um zu hör’n was Sache,

zum Thema Drogen. Dass ich nicht lache,

die labern nur den alten Scheiß,

und das, das ist dann Trockenheitsbeweis?! 

„Tja, mein Freund, so ist das nun,

wer Lappen will, muss auch was tun,

und zwar das, was wir verlangen,

mitgegangen – mitgefangen -

das und beten, sonst hat er den Weg umsonst betreten.“

Sie gibt mir ’nen Zettel mit Adresse,

ich hab’ kein allzu groß’ Interesse,

doch was sein muss, das muss sein,

auf dem Weg zum Führerschein.

 

So ruf’ ich an beim bösen Wolf,

ich lese da, man nennt ihn Rolf ,

erkläre ihm den Sachverhalt,

schmück’ das noch aus mit motivierten Worten

und bin dann dienstags mal vor Orten.

Ich schaue mir das Ganze an,

sitz als „Kunde“ in der Runde,

als Kandidat von Amtes wegen,

doch die haben erst mal nichts dagegen.

Ich stell mich vor, weil ich denn muss

und krieg’ als erstes auf die Nuss,

von wegen „Hintertür“ und „nix begriffen“,

ich tät nichts saufen, dafür kiffen,

so hatt’ ich immer ’rumgetönt

und mein Suchtverhalten nur geschönt.

Das macht mich doch dann sehr betroffen,

am liebsten hätt’ ich losgesoffen.

Die Einsicht kam wie immer später,

ich machte auf Verzweiflungstäter,

der böse Staat hat mir genommen,

was ich mit Mühe hatt’ bekommen.

Mein Geschimpfe das war groß,

über dieses schlimme Los.

Ich sprach mit meinem Suchtberater,

der war auch nicht moderater,

ich sprach mit einem Freund, dem alten,

aus der Schrauberzeit, war ungehalten.

Sie meinten nur: “nun gib Dir Zeit,

eines Tages bist auch Du so weit,

und übe Dich in der Geduld,

die andern haben keine Schuld,

an Deinem Elend, das bist nur Du,

geh in die Gruppe und gib Ruh’.“ 

 

Das tat ich dann, zwar erst mit Wut,

so langsam wurde das dann gut,

ich muss gesteh’n - es tut nicht weh,

und wenn ich so nach hinten seh’:

- ich hab’ viel über Bord geschmissen,

doch darauf ist am Schluss geschissen,

heut’ geh’ ich in die Gruppe gerne,

weil ich auch ab und zu was lerne.

Es dauerte zwar eine Weile,

ich hatt’ auch meine Vorurteile,

von wegen Spießer oder so,

die bin ich los, da bin ich froh,

den Führerschein, den hab’ ich wieder,

es geht aufwärts, ich werd bieder (!),

ein fester Job ist angesagt,

mir angeboten – ungefragt,

ich mach’ ’nen Bogen

um die Drogen

 

und liebe Leute, ohne Scheiß,

ein hoch auf unser’n Freundeskreis...

 

Helau !  

Borntobewild.

 

Martin 

© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)

Stand: 25. Oktober 2008