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BILANZ - man muss nicht immer alles verbissen sehen

Fasching

 

Die fünfte Jahreszeit geht nun zu Ende, vorbei mit Jux und Dollerei,

das große Kollektivbesäufnis tauscht nun mit täglich Einerlei.

Fastnacht, Fasching, Karneval

- des einen Freud’, des andern Qual,

- der eine sagt, nie wieder nie,

der andre hat ein Alibi,

tut Weitersaufen rund um die Uhr,

das Fröhlichsein wird zur Tortur.

 

Wir haben unsre Wahl getroffen,

bei uns, da wird nix mehr gesoffen,

auch keine Drogen oder so

- lieber Herrgott bin ich froh,

sein zu dürfen hier in diesem Kreise,

Fasching  begeh’n auf andre Weise,

Kaffee und Kuchen sind der Hit,

da macht der Martin gerne mit.

Kein dicker Kopf am nächsten Morgen,

kein Kummer nicht, auch keine Sorgen,

den Führerschein, den halt ich fest,

vorbei mit Alk – und Drogentest,

kein Niemand spuckt mir in die Suppe,

ich habe meine Alkigruppe,

so geh’ ich nun ins neue Jahr,

welch eine Freude – wunderbar!

 

Dazu ich mir gemacht Gedanken,

wie könnt ich mich einmal bedanken,

(schließlich freu ich mich darüber)

meiner Gruppe gegenüber,

die mir doch so sehr geholfen hat,

wie, steht auf einem andren Blatt -

nicht nur in Sachen Führerschein,

nein auch ganz allgemein

und wenn ich immer wiederkomm’

da werd am Ende ich noch fromm! 

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So setz ich mich an die Maschine

ganz abseits jeglicher Routine,

und tippe einfach mal hinein.

Ich nehme mal in Augenschein,

was mir so einfällt zu der Zeit

in der gekommen ich so weit

vom Punkte Null, der sich ergeben,

aus meinem Hintertürenleben.

Ich wollt’ nicht mehr. Aus und Vorbei.

Acht Wochen nur Promillebrei,

ich hatte’ den Löffel schon zaghaft nebenan gelegt,

denn dunkel und ganz unbewegt,

der Kumpel mit der großen Sense, der stand an meinem Bett und lachte,

ich sagte nur: nun mach mal sachte,

das wär’  zwar schön mit Dir zu reisen,

doch die Jungs vom Personal

die lassen uns doch keine Wahl,

die haben hier so ihre Mittel

die Männer mit dem Flatterkittel,

um Dir noch einmal eins zu scheißen.

kannst mich dem Leben nicht entreißen,

Die wollen mich noch hier behalten,

die Pieper sind nicht abzuschalten,

noch ist meine Zeit nicht um,

dank Spritz und Antibiotikum.

Du kriegst mich doch noch früh genug,

drum mach die Biege – guten Flug!

 

So war’s denn auch bis ich erwachte,

umherblickte und dachte,

so ein Scheiß da bin ich nun,

was nun machen, was soll ich tun,

um mich herum blinkende Maschinen,

in einer der Intensiv-Kabinen,

aus Solingen ’nen Gruß im Bauch,

zum Atem holen einen Schlauch,

da taucht ein Dr. Kurzer auf und redet noch von Therapie,

hab wieder keine Wahl, ich nicke nur, ich weiß nicht wie...

Vorbei mit der Unschlüssigkeit -

So wurd ich befördert, vier Wochen noch Zeit: 

        per Elektroschock

        zum Trockendock! 

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Vielbach, das Kaff im Westerwald,

die Bude warm die Stimmung kalt,

da werd’ ich nun fristen die nächste Zeit,

bis ich dann wieder bin so weit,

geläutert und mit gutem Geist

der Gesellschaft Dienste leist’

eines Tages irgendwann,

und meine Steuern zahlen kann.

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Das ganze Spiel das kenn ich schon –

das Gebabbel und die Fron,

es ist ja nicht das erste Mal,

dass ich bin im Jammertal.

Also lass ich mich drauf ein

und wahre doch den guten Schein,

den Tiefpunkt hab ich schon auf Erden –

hurra, es kann nur besser werden,

denk ich mit unverblümtem Enthusiasmus

das Ganze ist ein böser Stuss!

Das Vollprogramm mit Gruppenstunde, Arbeit und Sport -

ich will nur fort, weit weg von diesem schlimmen Ort.

Hier ist doch wirklich alles öde

und auf Dauer wird’ ich blöde.

 

© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)

Stand: 25. Oktober 2008