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Erlebnisse

 

Dies ist mein Abschlußbericht

Ich habe meine Co-Abhängigkeit überwunden, mache meine Ausbildung zum Suchthelfer und werde nachdem ich einen Job gefunden habe – meine eigene Gruppe eröffnen. Ich möchte gerne anderen „Süchtigen“ zeigen – das das Leben einfach schön ist wenn man sich befreit und sich selbst gefunden hat. (Keine Angst – kein Helfersyndrom – lach). Meine Einstellung zum Helfen hat sich auch grundlegend gegenüber damals geändert. Gott sei Dank!!!

Ich empfand mich selbst als süchtig – aber lest selbst.

 

 

Genau so habe ich mich in meiner Jugend gefühlt – wie dieser Panther.

 

Ich kam mir gefangen vor, ich wusste das ich nicht schlecht aussehe – fühlte mich aber selber hässlich. Ich wusste das ich bestimmt eine sehr liebe Art habe und ein großes Herz – ich fühlte mich aber unerkannt. Ich dachte immer ich bin ein besonderer Mensch – es interessierten sich aber nicht die Menschen für mich die ich ausgeguckt hatte. Ich wusste das ich schlau bin – fühlte mich aber dumm.

 

Ich verliebte mich – hatte aber das Gefühl das meine Liebe nicht erwidert wird.

 

Ich steckte all meine Energie darein – so zu sein – wie ich dachte das ich sein müsste – damit ich all das bekomme um mich so zu fühlen was ich von mir selber wusste. Ich traf keine eigenen Entscheidungen – ich ließ entscheiden – und verkaufte es als meine.

 

Das ist Co-Abhängigkeit. Sich selbst von anderen abhängig zu machen.

 

Und das tat ich – mein ganzes Leben lang. Weil ich mir selbst nicht vertraute – wie auch? Ich bekam ja nie die Bestätigung meiner Gedanken durch meine Gefühle.

 

Es gab drei Seelen in mir – die die wusste wer ich bin – aber es nicht zeigen konnte. Die zweite die sich immer missverstanden und dadurch verletzt fühlte. Und die dritte die versuchte etwas zu sein – was sie nicht war – nur um zu gefallen.

 

Zuerst versuchte ich meinem Vater zu gefallen – er erzählte mir immer das ich etwas Besonderes sei. Er gab mir auch praktische Hilfen  - wie z.B. Wenn man Dich von hinten laufen sieht – siehst Du aus wie eine berühmte Mittelstreckenläuferin – Du solltest Leichtathletik machen. So wurde ich in einen Verein gesteckt. Ich selbst hatte hohe Ansprüche an mich – aber praktisch setzte ich sie nicht so um wie sie in meinem Kopf vorherrschten. Also ließ ich es sein.

 

Mir gefiel der Klang des Saxophons – also lernte ich Saxophon spielen – ich habe aber ein Problem damit Noten flüssig ohne Hilfe zu lesen – also schrieb ich sie mir immer darunter. Auch beim Üben klang ich nicht so – wie ich es mir vorstellte. Also ließ ich es sein.

 

Ich ließ so vieles sein – und hatte das Gefühl der Unvollkommenheit in mir.

Ich verlor die Lust.

 

Dann kam die Zeit der ersten Liebe.

Hmm – da war es anders. Ich versuchte so zu sein – wie ich dachte das ein Mann eine Frau haben möchte: Unkompliziert, nett, etwas ausgefallen und gut im Bett. Diesmal aber war es so das die jungen Männer mich sein ließen - weil ich nicht so war wie sie es sich vorstellten.

 

Oder hatte ich zu sehr versucht die Frau meiner Vorstellung zu sein – das sie nicht mehr die Frau vorfanden in die sie sich mal verliebt hatten?

Wahrscheinlich

 

Ich fand eine gute Ausbildung – verdiente gutes Geld und reiste viel. Alles Dinge – die wie ich dachte – ich brauche um glücklich zu sein. Aber ich war es nicht.

 

Alles was ich wollte war einen Mann zu finden der mich so liebt wie ich ihn.

 

Ich lernte ihn kennen – erst später erkannte ich das er Alkoholiker war. Was ich immer an ihm bewunderte war, dass er seine Schwäche offen vor sich hin trug – wie Windpocken im Gesicht – die kann man behandeln, da kann man helfen.

Er hatte den Mut – etwas zu tun zu dem ich nie im Stande war. Ich versuchte immer meine Schwächen zu verbergen – er trug sie offen vor sich her. Ich fand das sehr mutig. Während der vielen Gespräche mit Ärzten und Pädagogen und Therapeuten wurde oft gesagt ich wäre die Starke von uns Beiden – ich sah und empfand

das nicht so. Was hätte ich für seine offenkundige Schwäche gegeben, man hätte mir helfen können.

 

Natürlich fragte ich eine Menge Leute um Rat – den sie mir auch gaben – aber ich wusste ja das meine Vorstellung meistens beim Versuch der praktischen Umsetzung fehlschlugen. Also ließ ich es sein.

 

Stattdessen versuchte ich ihm zu helfen. Ich habe oft gesagt das ich kein Mensch mit Geduld und Ausdauer bin und es mich wundert, warum ich sie bei ihm habe.

 


 

Heute weiß ich es – ich habe die Geduld für mich aufgebracht – aber ihn als Katalysator benötigt um nach Jahren zu erkennen um was es wirklich ging. Um mich und nicht um ihn – um meine Rettung und nicht seine.

 


Aber so habe ich das natürlich lange Zeit nicht empfunden – oder gesehen – und wenn es mir jemand gesagt hätte – ich hätte ihn für einen „Freud-Fan“ angesehen.

 

Heute – stehe ich am „Anfang“ von „meinem Leben“. Und es ist gar nicht so einfach – ich muss erst einmal laufen und sprechen lernen. Kleine Schritte in mein Leben. Mich selbst so anzunehmen wie ich bin – nicht nur vom Verstand her sondern auch vom Gefühl.

 

Nach mir zu schauen – und nicht nach anderen. Mir gutes zu tun – und nicht andere zu beschenken.

Frei zu sein – und nicht gefangen. Meinen Partner als Partner anzusehen – und nicht jemanden, dem ich gefallen muss.

 

Mir geht es heute gut – ich habe zwar ein paar Geldsorgen – aber keine Seelenpein mehr – also geht es mir gut.

Ich lebe mein Leben und es macht einen tierischen Spaß.

 

Nur zu empfehlen!!!

Was mir damals als Unmöglich vorkam ist ganz einfach zu erreichen – viel einfacher als ich es mir immer vorgestellt hatte.

 

 

Mein Problem kam mir vor wie der Mount Everest – ich habe ihn bezwungen mit einem Schritt – dem ersten in die richtige Richtung. Der zweite war dann schon viel leichter – und die anderen benötigen keine Kraftanstrengung mehr – man läuft automatisch weiter. Ich bin bisher auch ein paar Mal gestolpert (meine Rückfälle in alte Gewohnheiten) aber wie sage ich immer „Ein Schritt zurück – Zwei voraus!“

 

 

Ich sehe heute zurück auf meinen Weg und bin stolz auf mich – weil ich die Veränderungen nicht nur sehe sondern auch spüre. Und das ist ein tolles Gefühl.

© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)

Stand: 25. Oktober 2008