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Krone

König Alkohol  

gestern, und heute immer noch?


Ein Versuch in einer damaligen Konservenfabrik zu den damaligen Bedingungen zu arbeiten, scheitert an aus heutiger Sicht sehr verständlichen Gründen: diese Welt ist zwar alkoholfrei (das erleichtert ihm vieles, denn er trinkt Alkohol nicht, weil er schmeckt) aber er fühlt sich eingesperrt und muss bis zur Erschöpfung für einen Hungerlohn bis zu 16 Stunden täglich arbeiten.

Das möchte er nicht für den Rest seines Lebens tun, wie man verstehen kann.

Sein Traum von Freiheit und Abenteuer lässt ihn an Seefahrt denken.

DAS ist das erstrebenswerte Leben, das er sich wünscht.

Jack Londons persönliche Welt werden die die Hafenkneipen.

Er wird Austernpirat und bewegt sich am Rande der Legalität

 

Er lernt die Regeln, die das Zusammenleben der rauen Gesellen diktieren, lernt in Prügeleien zu überleben und ist glücklich - er hat Erfolge, die alle durchweg auf sein Trinken zurückzuführen sind.

 

Regel Nr. 1

Die Trinkspirale - gibst Du mir einen aus, gebe ich Dir einen aus - Ehrensache!

 

"Und dieser sparsame, knauserige [wegen erlebter Armut ] Junge, der gewohnt war, für 10 Cent die Stunde an der Maschine zu fronen, saß nun auf dem Pfahl und stellte Betrachtungen über das Bier an, das fünf Cent das Glas kostete und im Nu verschwunden war, ohne eine Spur zu hinterlassen."

"Entweder musste ich alle bisherigen Begriffe von Geld über Bord werfen und es als etwas betrachten, was man mit vollen Händen um sich wirft, oder ich musste auf die Kameradschaft dieser Männer verzichten, deren merkwürdige Launen sie starke Getränke lieben ließen."

 

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Regel Nr. 2

Man darf auch, aber nur gelegentlich, kleine Getränke ordern, wenn man viel getrunken hat.

Aufhören oder ablehnen ist dagegen unmöglich!

 

"Ich lernte etwas: bei diesem Trinken kam es nicht allein auf die Menge an. Ich merkte mir das. Es gab ein Stadium, in dem nicht das Bier selbst die Hauptsache war, sondern eben der Geist der Kameradschaftlichkeit!...Ich konnte dadurch die abscheuliche Bürde, die die Kameradschaftlichkeit einem auferlegte, um zwei Drittel mindern."

 

Regel Nr. 3

Wenn Du anschreiben lässt, hast Du einen großen Namen, der sogar in einem Buch erwähnt wird.

 

"Und ich hatte die Genugtuung, zu sehen, wie eine neue Seite meinem Namen geweiht und mir der Betrag für eine Runde mit 30 Cent angeschrieben wurde. Und wie durch einen goldenen Nebel erblickte ich in die Zukunft, in der auf dieser Seite viel angeschrieben, durchgestrichen und wieder belastet wurde."

 

Regel Nr. 4

Lügen und Betrügen, Schulden machen - alles Ehrensache mit Alkohol

 

"Und so lernte ich noch einen Zug König Alkohols kennen. Er hemmt die Moral. Schlechtigkeiten, die dem Nüchternen unmöglich sind, erscheinen dem Betrunkenen ganz einfach und leicht... Und so erwarb ich mir die Sporen meiner Mannhaftigkeit. Meine Stellung im Hafen und unter den Austernräubern wurde mit einem Schlage ausgezeichnet. Man betrachtete mich als guten Kameraden und nicht als Duckmäuser."

 

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Regel Nr. 5

Lass nie durchblicken, dass Du das alles eigentlich nicht so toll findest

 

"Aber ich konnte trinken, soviel ich wollte, ich konnte König Alkohol nicht lieb gewinnen. Ich schätzte ihn außerordentlich wegen seiner Beziehungen, aber nicht wegen seines eigenen Geschmacks. Stets bestrebte ich mich, ein Mann zu sein, und stets sehnte ich mich heimlich nach Bonbons. Aber ich schämte mich dessen, so dass ich lieber gestorben wäre, als dass ich jemanden meinen Wunsch hätte ahnen lassen."

 

Regel Nr. 6

Es gibt immer Grund zum Trinken, notfalls erfindet jemand einen Grund

 

"So machen es die Untertanen von König Alkohol nun mal: Haben sie Glück, so trinken sie, haben sie keins, so trinken sie auch, in der Hoffnung, dass es kommen soll. Treffen sie einen Freund, so trinken sie. Geraten sie mit einem Freund in Streit und verlieren ihn, so trinken sie. Ist ihr Freien von Erfolg gekrönt, so ist ihr Glück so groß, dass sie unbedingt trinken müssen. Werden sie abgewiesen, so trinken sie aus dem Entgegengesetzten Grund. Und wenn nichts von alledem der Fall ist, nun, so trinken sie doch in der sicheren Erkenntnis, dass sie nur erst eine genügende Anzahl Gläser getrunken haben müssen, damit die Würmer in ihrem Hirn zu kriechen beginnen, und sie alle Hände voll zu tun haben werden. Sind sie nüchtern, so möchten sie trinken; und wenn sie berauscht sind, dann möchten sie noch mehr trinken."

 

Regel Nr. 7

Etwas Lästiges wie gute Vorsätze kann man durch rechtzeitiges Trinken gleich im Keim ersticken -

und:   Geld ist nur dazu da, um ausgegeben zu werden

 

"In meiner Tasche befanden sich hundertachtzig Dollar. Ich hatte die Absicht, mir neues Zeug zu kaufen und dann etwas zu trinken. ...Um zu den Geschäften zu kommen, wo man Zeug kaufen konnte, mussten wir an einem Dutzend Wirtschaften vorbei. Folglich begann ich gleich zu trinken. Ich kam nie zu den Kleidergeschäften ...Wer so etwas nie erlebt hat, wird es für unmöglich halten, dass man in zwölf Stunden hundertachtzig Dollar vertrinken kann. Ich weiß es besser. Und ich bedauerte es nicht. Ich war stolz. Ich hatte gezeigt, dass ich es im Geldausgeben mit den Besten aufnehmen konnte. Unter starken Männern hatte ich selbst meine Stärke erprobt. Ich hatte, wie schon so oft, meinen Fürstentitel wieder einmal behauptet. ...  Besser ein Fürst unter Saufbrüdern, als zwölf Stunden täglich an der Maschine für zehn Cent Stundenverdienst. Über der Arbeit an der Maschine liegt kein Purpurschimmer. Wenn es aber nicht glorios ist, hundertachtzig Dollar durchzubringen - dann weiß ich nicht."

 

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Regel Nr. 8

Besauf dich oft und prahle viel damit, so wirst Du ein Held unter Deinesgleichen

 

"Wenn am nächsten Morgen dann mein bewusstloser Körper aus den Netzen auf den Trockengestellen entwirrt wurde, in die ich nachts in einem Zustand tierischen Stumpfsinns gekrochen war, und der ganze Hafen unter Grinsen, Lachen und erneutem Trinken darüber redete, dann war ich wirklich stolz. Es war eine Heldentat. Und als ich einmal drei Wochen hintereinander keinen einzigen nüchternen Augenblick hatte, war ich überzeugt, den Gipfel erreicht zu haben."

 

Solche "Ehrenregeln" existieren heute noch genauso, wie um 1900.

Die Menschen, die diese Ehrenregeln für sich und andere akzeptieren, werden besonders leicht unter die Regierung von König Alkohol geraten.

Es sind diejenigen, die am Tiefsten fallen, sich den größten körperlichen Schaden zufügen und es am schwierigsten mit dem Aufhören haben werden.

 

Wenn man mit der Lebenseinstellung eines Jack London ausgestattet, dann mit den Notwendigkeiten des Lebens sozusagen überrollt wird,  mit dem Alkohol-Trinken aufhören muss oder soll - und doch eigentlich nicht: will -  hat man nicht nur mit körperlichen Entzugserscheinungen zu kämpfen, sondern man ist gezwungen gegen ureigenes grundlegendes Empfinden, gegen reflexhaft eingeübte Handlungen und Denkschemen, gegen die gesamte eigene Weltanschauung und auch gegen tiefe Scham anzukämpfen.

 

Ein schweres Unterfangen  und, wenn es gelingt, eine große Leistung.

 

© Alle Rechte vorbehalten für A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)

Stand: 25. Oktober 2008